Was wir aus Brüssel lernen sollten…

Die gestrigen Anschläge in Brüssel haben mich extrem schockiert. Nicht, weil ich damit nicht rechnen würde – ich bin mir im Klaren darüber, dass in Europa jederzeit Anschläge wie diese geschehen können. Schockiert bin ich jedoch immer wieder von diesen Greultaten, weil sie zutiefst abscheulich sind. Aus religiösem Wahn heraus entschließen sich Menschen, unschuldige Personen aus dem Leben zu reißen – mir fehlt das Verständnis für solche Taten, für solche Menschen und daher schockieren mich solche Taten immer wieder aus neue.

Sie sind Angriffe auf unsere Freiheit, unsere Art zu leben. Angriffe, die uns davon abbringen sollen, in demokratischem Rahmen ein selbstbestimmtes Leben zu führen, in welchem wir die Gleichheit der Menschen, die Freiheit der Meinung und die Unversehrtheit eines jeden Menschen als zentrale Grundwerte ansehen.

Das Ziel dieser Terroristen ist es, uns zu spalten. Europäer sollen Migranten durch eine Terroristen-Brille sehen – Vorurteile und Hass zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sollen wachsen, so die Strategie der Islamisten. Ziel ist es auch, durch Terrorakte eine Angst nach Europa zu bringen, welche dazu führt, dass wir unsere Freiheit selbst einschränken. Sicherlich ist dies sehr kurz und abstrakt gefasst, doch bringt es auf den Punkt, worum es geht: Ein Gefühl der Angst erzeugen, in welchem Muslime als potentielle Täter fernab demokratischer und freiheitlicher Werte angesehen werden – die Muslime, so der abscheuliche, aber leider durchaus erfolgreiche Plan, werden sich als Reaktion auf diese gesellschaftliche Isolation radikalen Kräften anschließen und den Krieg in Europa weiter führen und stärken.

Als erfolgreich bezeichne ich dieses Vorhaben der Terroristen, da Europa seit Jahren nach rechts rückt, Populisten mehr und mehr Gehör finden und wir auch heute noch keine vollkommene Integration aller Menschengruppen erreicht haben. In zahlreichen Köpfen Europas herrscht noch immer ein vollkommen falsches Bild des Islam vor – Reflexion und Differenzierung fehlen, Ressentiments regieren. Die Terroristen jubeln.

Hinzu kommt, dass die Bombardements Syrien, welche europäische Staaten und Russland verübt haben / verüben, immer mehr Menschen in die Arme des IS treiben. Bomben bringen keinen Frieden – sie haben es noch nie getan und werden es niemals tun. Der Irak-Krieg hat es ein weiteres Mal bewiesen. Die unzähligen Toten, die jahrelang gefallenen Bomben, die Zerstörung, das Leid, … All diese Dinge haben dazu beigetragen, dass der IS zu jener Terrororganisation werden konnte, die sie heute ist – und die Antwort auf den IS soll nun erneut Krieg und Bomben sein? Es macht mich fassungslos.

Statt die Jets über das Gebiet des IS zu jagen, sollte die weltweite Staatengemeinschaft damit beginnen, die Terroristen wirtschaftlich und finanziell ausbluten zu lassen. Etwas, womit bereits viel früher hätte begonnen werden müssen. Inzwischen kann sich der IS vermutlich schon selbst finanzieren und hält riesige Summen Geld in seinen Händen. Dennoch und gerade deshalb ist es wichtig, den massenhaften Öl-Verkauf zu unterbinden. So kappt man zentral wichtige Geldströme des IS  – und verbunden mit weiteren Maßnahmen wäre es ein effektiveres Mittel, als es Bomben und Krieg sind. Doch solange weiter Waffen aus Europa nach Saudi-Arabien und andere undemokratische Staaten exportiert werden, kein Druck auf die Herkunftsstaaten wichtiger IS-Unterstützer ausgeübt wird und die einzige Antwort auf den Terror Bomben sind, wird sich an den finanziellen und terroristischen Möglichkeiten des IS nicht viel ändern.

Wohin uns dieser gesamte Weg langfristig führen wird, mag ich mir kaum ausmalen. Wichtig für unsere Gesellschaft ist, dass wir in der Folge solcher Terrorakte nicht das tun, was die Terroristen wollen. Wir müssen offen bleiben, Menschen nicht nach Religion, Aussehen, Herkunft oder ähnlichem beurteilen, sondern differenziert und mit offenem Auge durchs Leben gehen. Mit der Angst, die uns möglicherweiser begleitet, müssen wir leben. Sie wird weder von Bomben, noch  Wir dürfen nicht unsere Freiheit aufgeben, weil wir Sicherheit gewinnen wollen.

Noch mehr Kameras, noch mehr Polizisten und noch mehr Überwachung bringt uns im Kampf gegen Selbstmordattentäter nur sehr wenig Sicherheit – nehmen uns aber sehr viel Freiheit. Eine freiheitliche, weltoffene und vorurteilsfreie Gesellschaft, welche offen für jeden Menschen ist, der unsere demokratischen & freiheitlichen Werte teilt, trocknet den Sumpf des internen Terrorismus in Europa zunehmend aus – und bringt uns dazu noch mehr Freiheit.

Wir haben die Entscheidung, welchen Weg wir gehen.

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4 Gedanken zu „Was wir aus Brüssel lernen sollten…

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