Der europäische Schandfleck

„Um den bizarren Plan zu verdeutlichen: Nur wenn ein syrischer Schutzsuchender sein Leben bei der Überfahrt über die Ägäis riskiert und dann per Schnellverfahren zurückverfrachtet wird, entsteht ein Platz für einen anderen Schutzsuchenden aus Syrien, der dann legal und gefahrenfrei in die Europäische Union kommen darf.“
PRO ASYL beschreibt in diesem Beitrag sehr deutlich und klar, weshalb der EU-Deal mit der Türkei eine „Schande für Europa“ ist – er bedroht Menschenleben, tritt die europäischen Werte mit Füßen und führt zum Umgang mit Menschen, welcher jenem mit Waren gleichkommt. Kanzlerin Merkel hat sich mit ihrer Zustimmung und Beteiligung an diesem dreckigen Deal von ihrem eigenen Kurs verabschiedet – auch wenn sie sich weiterhin für offene Grenzen in Europa aussprechen mag, hat sie dafür gesorgt, das Asylrecht in der EU in weiten Teilen auszuhebeln und sich dem naiven Glauben hingegeben, damit das Schlepperwesen beenden zu können.

Es wird also bald wieder neue Routen geben, auf denen Menschen ihr Leben riskieren müssen, um nach Europa gelangen zu können – wo sie dann einer systematischen Schlechterstellung ausgesetzt sind und in großen Teilen keine menschenwürdige Behandlung erhalten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder tausende Geflüchtete in Europa angekommen, Schutz und Sicherheit suchen. Die Reaktionen der Nationalstaaten werden die gleichen wie bisher sein – oder noch schlimmer.

Wir werden noch mehr Zäune, noch mehr geschlossene Grenzen und noch mehr Leid an eben diesen Grenzen erleben – weil mit dem EU-Türkei-Deal das Leid der Geflüchteten lediglich weiter von Europa weg gedrängt wurde – die Türkei jedoch kein Staat ist, welcher menschenwürdig mit Geflüchteten umgeht und die Bezeichnung „sicherer Drittstaat“ verdient, sondern ein Staat ist, welcher die Kurden bekämpft, Journalisten einschüchtert, die freie Meinung bekämpft und noch zahlreiche weitere Vergehen an den zentralen demokratischen Werten begeht.

Gewinnen tut bei diesem Deal niemand. Zwar mögen sich die beteiligten Personen nun als Retter Europas fühlen, doch haben sie in Wirklichkeit die Grundpfeiler der EU in Trümmer gelegt, zugleich die Hoffnung, die Sicherheit und die Situation von hundertausenden Menschen zerstört, mit Füßen getreten und aus rein nationalistischen (oder, übertragen auf Europa, europäistischen) Gründen gehandelt. Dass solche Dinge inzwischen wieder als „Gewinne“ gefeiert werden, erschreckt mich zutiefst. Ich hätte tatsächlich gedacht, dass diese Zeiten in Deutschland seit einigen Jahrzehnten vorbei sind – doch bewegen wir uns derzeit offensichtlich zivilisatorisch zurück und haben vergessen, aus der Geschichte zu lernen.
Beschämend!
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6 Gedanken zu „Der europäische Schandfleck

  1. Ich bezweifele auch, dass dieser Deal gelingen kann und finde die erpresserischen Versuche der Türkei sehr bedenklich. Bisher haben sie nicht viel für die Flüchtlinge getan und mit weiteren 3 Milliarden denke ich auch nicht, dass sich etwas ändert.
    Die Anschläge in den Städten nehmen zu, die Kurden fühlen sich verraten.
    Die Aussichten für die Flüchtlinge werden immer hoffnungsloser und die EU hat wieder einmal gezeigt, dass ihr moralisches Handeln fremd ist.

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    1. Da kann ich dir nur zustimmen!

      Der grundsätzliche Gedanke, die Situation in Herkunftsstaaten-nahen Staaten so zu verbessern, dass dort viele Menschen bleiben können, ist gut – oftmals wollen die Geflüchteten ja auch in einer sicheren Unterkunft möglichst nahe der Heimat bleiben. Eben dies ist in der Türkei jedoch nicht der Fall – die tausenden Menschen flüchten nicht ohne Grund aus der Türkei, sondern weil sie dort weder Sicherheit, noch Frieden, Schutz und Integration erleben. Ein beschämender Deal!

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  2. Dieser Deal mit einem Land, das selbst noch weit entfernt von einer Demokratie ist und die Menschenrechte missachtet, wäre ja nicht nötig gewesen, wenn sich die EU-Staaten als das gezeitgt hätten, was sie sein sollten, eine GEMEINSCHAFT. Scheinbar funktioniert die nur, wenn es um Geld geht (siehe die verzweifelte Rettung Griechenlands) .

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