Der Jahresausblick 2016 – Sport

Die Frage, was ein neues Jahr so mit sich bringen wird, ist immer spannend und bietet reichlich Platz für Spekulationen und Diskussionen. An dieser Stelle möchte ich meinen Beitrag dazu leisten und meine Erwartungen an das neue Jahr mit euch teilen. Mit Blick auf die Länge sowie die thematische Vielfalt habe ich mich entschlossen, mehrere Beiträge zu schreiben. Hier findet ihr den Jahresausblick 2016 – Sport!

Aus sportlicher Perspektive wird das Jahr 2016 in jedem Fall sehr ereignisreich. Neben der Fußball-EM in Frankreich finden auch die Olympischen Sommerspiele in Brasilien statt, so dass das „Sommerloch“ in jedem Fall sportlich gefüllt werden kann. Für die Zeit „drumherum“ gibt es, so wie jedes Jahr, Vereinsfußball – zumindest bei mir. Doch was erwartet uns in diesem Jahr im Vereinsfußball oder auch bei der Fußball-EM? Was wird sich in den Stadien und um sie herum abspielen? Auch bei der Olympiade in Brasilien, welche alles andere als unumstritten ist und nicht von allen Betroffenen als positiv beweret wird. Meine Einschätzungen zu diesem Themen findet ihr hier.

Die Fußball-EM in Frankreich

Was die Europameisterschaft angeht, bin ich mir sicher, dass wir ein Turnier erleben, wie wir es bisher noch nicht gesehen haben. Sicherheit wird das Wort der Stunde sein, sobald sich Frankreich mit Fußballfans & -spielern aus ganz Europa füllt. Es gilt, dass absolute Horrorszenario, einen Terroranschlag während des Turniers, zu verhindern und alle Beteiligten zu schützen. Ich bin schon sehr gespannt, wie die französischen Sicherheitskräfte an diese Aufgabe herangehen werden. Leicht wird es jedenfalls nicht, den schmalen Grad zu treffen, welcher zwischen einer Unsicherheit vermittelnden Sicherheits-Hysterie mit übertriebenen Maßnahmen und einer Unsicherheit erzeugenden Nachlässigkeit der Sicherheitsbehörden entlang führt.

Versteht mich nicht falsch – ich finde es richtig, dass bei dieser EM das Thema Sicherheit einen besonderen Stellenwert einnimmt. Es wäre fahrlässig, aus einem falschen Trotz heraus so zu tun, als gäbe es keine Gefährdung durch Terroristen. Doch glaube ich, dass schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten vor (oder gar in) den Stadien nicht unbedingt das Gefühl von Sicherheit erzeugen können – zumindest nicht bei mir.

Sicherheit wird bei einem solch großen Turnier und einer solchen potentiellen Gefahr sowieso über andere Wege gewährleistet. Die Stadien können durch intensive und gründliche Personenkontrollen zumindest weites gehend frei von Sprengstoff und Waffen gehalten werden. Das Umfeld, die Massen der Fans, unter welche sich mögliche Täter vermutlich mischen würden, ist hingegen weniger leicht zu überblicken und kontrollieren – kann jedoch auch durch massive Polizei- und Militärpräsenz nicht vollkommen gesichert werden. Eben hier liegt das Problem: Ein Selbstmord-Attentäter kann nur dann aufgehalten werden, wenn man ihn früh genug aufhält. Ist er jedoch erst einmal vor Ort, kann er schneller die Tat vollziehen, als ein Soldat oder Polizist reagieren könnte. Darüber hinaus ist ein solcher Täter kaum erkennbar. Übertriebene Präsenz von Sicherheitsbeamten ist daher keine gute Option für die EM – die Aufklärung muss bereits jetzt beginnen, potentielle Täter müssen ermittelt und geplante Anschläge verhindert werden.

Wie das geht? Da fragt ihr den falschen – und wer soll es schon wissen?! Niemand kann diese Frage wirklich beantworten und so bleibt uns allen nichts anderes, als zu hoffen, dass trotz der großen Konzentration auf die Sicherheit, das Sportliche stets im Mittelpunkt der Europameisterschaft stehen kann / wird. Wer den Titel holt, ist mir persönlich eigentlich relativ egal. Da sich die Niederländer nicht qualifiziert haben, werde ich Island die Daumen drücken und von besseren Zeiten der Elftal träumen.

Der Vereinsfußball

Im Bereich „Vereinsfußball“ begann das Jahr mit einer für mich wirklich unerwarteten, aber wunderbaren Überraschung: Domi Kumbela kehrt zurück an die Hamburger Straße und wird ab der Rückrunde wieder das Trikot mit dem roten Löwen tragen! Es freut mich unheimlich, dass er wieder Teil der Braunschweiger Eintracht ist und für uns auf Torejagd gehen wird. Tore sind es nämlich, die die Eintracht in manchem Spiel der Hinrunde dringend gebraucht hätten. Zwar sieht die Bilanz der Hinrunde insgesamt sehr gut aus, doch hätte die Löwenelf das ein oder andere Spiel durchaus verdient gewonnen, wenn sich die verschiedenen Offensivkräfte mit Toren für ihre guten Leistungen belohnt hätten. Mit Kumbela wird nun wieder neue Torgefahr auf den Platz kommen und so vielleicht auch das ein oder andere Spiel mehr gewonnen. Für den Aufstieg, so meine Prognose, wird es nicht reichen, doch habe ich mich in der Vergangenheit schon häufiger bei meinen Prognosen zur Eintracht getäuscht. Lassen wir uns überraschen.

RB Leipzig und die Bundesliga

Hingegen wenig überraschend ist der wahrscheinliche Aufstieg von RB Leipzig in die Bundesliga. Als souveräner Herbstmeister dominieren die Leipziger derzeit gemeinsam mit den Freiburgern die Liga und werden sich vermutlich nicht nochmals am aufsteigen hindern lassen. Am Ziel ist man in Leipzig jedoch auch dann noch nicht. Der Aufstieg in die Bundesliga ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg nach Europa, an die Spitze des Fußballs. Dort sitzt das Geld, an dem RB Leipzig interessiert ist. Hier geht es nicht um einen Titel an sich, nicht um den sportlichen Erfolg – was zählt, ist der Gewinn, die Werbung, die Strahlkraft der Marke.

Der Bundesliga wird diese Mannschaft nicht gut tun. Mitbestimmung und Vereinsmitglieder gibt es bei RB Leipzig kaum – was gut und richtig ist, gibt der Konzern vor. Für viele ist RB Leipzig inzwischen schon „akzeptabel“ geworden – andere Vereine seien ja schließlich auch Unternehmen und würden gewinnorientiert arbeiten. Ich sehe das jedoch anders. Zwar sind zahlreiche Vereine als Unternehmen organisiert, jedoch steckt dahinter eine andere Struktur als bei RB Leipzig. Auf der Leipziger Seite gibt es einen zentralen Geldgeber, ein Unternehmen, welches vom Namen des „Vereins“ bis hin zu jede kleinen Entscheidung die vollständige Kontrolle hat. Gewachsene Fankultur gibt es nicht – auch hier sorgt Red Bull für die gewünschten Zustände, die nichts mit der bekannten und aus sich heraus entstandenen Fankultur in anderen deutschen Stadien zu tun hat. Auf der anderen Seite stehen hinter Vereinen wie der BVB oder auch Eintracht Braunschweig zahlreiche Sponsoren, eine große Basis an Mitgliedern, kleine Geldgebern und traditionelle Strukturen. Der Verein Eintracht Braunschweig arbeitet mit seiner Sparte „Profi-Fußball“ zwar gewinnorientiert, doch ist sein Ziel in erster Linie der sportliche Erfolg – nicht aber die Werbewirksamkeit oder die reine Gewinnmaximierung, wie es bei RB Leipzig der Fall ist. Ein Unterschied, der zentral ist und sich auf zahlreiche Bereiche, beispielsweise dem Umgang mit Fans, auswirkt. Doch muss ich an dieser Stelle nicht tiefer in diese Diskussion einsteigen – dieser kurze Abriss einer Kritik muss ausreichen, um deutlich zu machen, weshalb ich mich an einem „Verein“ wie RB Leipzig störe.

Gewinnen rechte Gruppen erneut neuen Einfluss?

Ein weiteres Thema, welches ich ansprechen will, ist der Rechtsextremismus in den Stadien. Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion um Geflüchtete wird in einer Art und Weise geführt, die dem rechten Rand der Gesellschaft einen breiten Spielraum eröffnet und sich somit auch auf die Sphäre „Fußball“ auswirken kann. Die zahlreichen Anschläge auf Unterkünfte sowie die gewalttätigen Proteste gegen Geflüchtete zeigen, dass sich das Selbstbewusstsein der rechten Szene auf einem Hoch befindet. Die Zerstörung eines ganzen Straßenzugs in Leipzig durch rechte Hooligans aus verschiedensten deutschen Städten sowie der gleichzeitige Versuch, die Räumlichkeiten des linken Vereins „Roter Stern Leipzig“ anzugreifen, machten uns diesen Fakt erst kürzlich auf erschreckende Art und Weise deutlich.

In der Vergangenheit haben solche gesellschaftlichen Verhältnisse bereits zu einem Rechtsruck in der ein oder anderen Fankurve gesorgt. Zwar ist heute vielerorts eine andere Sensibilität bei Fans und Vereinen für dieses Thema vorhanden (wie bspw. in Bremen oder Dortmund), doch gibt es auch andere Städte, andere Kurven, in denen kein demokratischer Grundkonsens vorherrscht und rechte Kräfte schnell Fuß fassen könnten. Vereine, Fanprojekte und Fans müssen hier besonders aufmerksam sein und schnell reagieren, wenn rechte Gruppen die Stimmung, Meinung und Machtverhältnisse vorgeben wollen.

In Braunschweig mache ich mir hinsichtlich dieses Themas bedingt Gedanken. Einerseits hat die Eintracht eine große Fanbasis, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus kaum befasst. „Wer mir nichts tut, stört mich auch nicht“ ist eine weit verbreitete Denkweise in der Fankurve. Eine gefährliche Sicht – sie folgt der Logik „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist für alle gesorgt“ und birgt ein großes Risiko in sich. Neonazis können sich unter diesen Umständen schnell und einfach etablieren und ihren Hass in die Masse streuen. Andersdenkende, die ihre Meinung äußern, werden bekämpft und als jene dargestellt, die ungerechtfertigter Weise „die Politik“ ins Stadion bringen – Neonazis machen sich darüber selbst zu den Opfern und erhalten so schnell den Zuspruch einer uninformierten oder unpolitischen Masse. Ähnlich lief es auch in Braunschweig ab. All jene, die stillschweigend zusehen, sind davon nicht weiter betroffen und folgen dem Opfer-Bild der eigentlichen Angreifer – auch das kenne ich aus Braunschweig.

Auf der anderen Seite bemüht sich der Verein inzwischen mehr und mehr, das Thema Rechtsextremismus unter den aktiven Fans zu diskutieren und behandeln. Ein gutes Vorhaben, was jedoch nichts daran ändert, dass die Strukturen und Freundschaften zwischen gewissen Fanclubs in Braunschweig weiterhin bestehen werden und sich daher an der (nahezu kritiklosen) Gegenwart rechter Personen in der Braunschweiger Fankurve ebenfalls nichts ändern wird. Zu hoffen ist, dass der Verein hier nun ein wachsameres Auge als in der Vergangenheit an den Tag legt und rechte Parolen, Symbole und Aktivitäten verfolgt, unterbindet und mit Stadionverboten belegt. In der Vergangenheit war dies leider nicht immer der Fall – teilweise nahm man gar die eigentlichen Täter in Schutz und bestrafte die Opfer – eine antifaschistische Ultra-Gruppe. Aber ein neues Jahr ist ja immer wieder ein guter Moment für einen Neubeginn, einen Wandel.

Die olympischen Spiele in Brasilien

Die wirtschaftliche Lage Brasiliens ist alles andere als gut – angekommen ist dies inzwischen auch bei den Menschen selbst. Die Arbeitslosigkeit steigt, die privaten Ausgaben sinken, die Stimmung ist schlecht. In der Politik sieht es kaum besser aus. Chaos, statt Problemlösung. Korruption und Machtkämpfe, statt Ordnung und Sachlichkeit.

Angesichts solcher wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Situationen, die hunderttausende Menschen Tag für Tag belasten und mit Sorge erfüllen, scheint die Bedeutung der bzw. die Kritik an den Olympischen Spielen nicht zu den dominierenden Themen gehören. Daraus jedoch zu schließen, dass es auch dann, wenn die Spiele beginnen, ruhig bleibt, wäre vermutlich verfrüht. Ich persönlich habe großes Verständnis für die Proteste gegen diese Veranstaltung. Die Folgen der zwei Welt-Events „WM“ und „Olympia“ haben in Brasilien hunderttausende Menschen schwer getroffen. Ob Umsiedlungen, massive Polizeieinsätze, staatliche Repressionen oder aber Kürzungen verschiedenster Art und Weise – insbesondere die finanziell ärmeren Teile der brasilianischen Bevölkerung war von all diesen Dingen betroffen.

Die Wut, insbesondere in Kombination mit der aktuell schwierigen Lage, kann dann schnell in Protest umgewandelt werden. Ich würde mir solche Proteste wünschen, in friedlicher Art und Weise auf Seiten aller Beteiligter.

Lassen wir uns überraschen!

Doch ganz gleich was ich mir wünsche oder welche Entwicklung ich erwarte – am Ende wird das Jahr seinen ganz eigenen Verlauf nehmen; auch sportlich. Glücklich wäre ich, wenn die Eintracht im Aufstiegsrennen für Spannung sorgen könnten und sich am Ende im oberen Drittel wiederfinden. Mit Kumbela, den man beim ersten Heimspiel sicher mit offenem Herzen empfangen wird, bin ich sicher, dass offensiv ein bisschen mehr abgehen wird. Angesichts eines potentiellen Rechtsrucks in den Fankurven bin ich frohen Mutes, dass in vielen Fanszenen ein wachsames Auge waltet und rechte Bestrebungen frühzeitig erkannt und durch breit getragene Statements gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bekämpft werden.

Ansonsten lassen wir uns doch einfach überraschen, feiern die Feste, wie sie fallen und widersprechen immer dann, wenn sportlich oder gesellschaftlich etwas schief läuft. So können wir das sportliche Jahr 2016 genießen und ignorieren dennoch nicht, dass bei aller Begeisterung für Sport, Fankurve und Verein nicht alles „richtig“ und „gut“ sein muss, was in diesem Umfeld geschieht.

In diesem Sinne, auf ein erfolgreiches, friedliches (Sport-)Jahr 2016!


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