… in bester Gesellschaft?!

Es gibt Dinge, die erscheinen uns als so marginal, dass wir ihnen keine Bedeutung zukommen lassen. Meist sind es alltägliche Handlungen, die wir fast schon automatisch vollziehen; sie tun, ohne darüber nachzudenken. Manchmal sind es Sachen, die nur uns persönlich betreffen. Oftmals geschehen solche Handlungen jedoch auch dort, wo wir mit anderen Menschen interagieren; ob wir wollen oder nicht. Aus eben diesem Grund sind die individuell unwichtig erscheinenden Dinge gesellschaftlich jedoch höchst relevant.

Unser Verhalten in der Öffentlichkeit wirkt immer auch auf andere Menschen, die ebenfalls zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind oder über andere Wege mit uns kommunizieren. So ist es beispielsweise wenn wir einkaufen oder spazieren gehen, Bus oder Bahn fahren, telefonieren oder in sozialen Netzwerken kommentieren – immer sind andere Menschen in unsere Handlungen involviert und werden von diesen möglicherweise in ihren eigenen Handlungen beeinflusst. Jeder kennt das – auch wenn es einem selbst nicht bewusst ist – beispielsweise aus dem Supermarkt: Wird eine neue Kasse geöffnet, weil sich lange Schlangen gebildet haben, stürmen manche Menschen frei nach dem Motto „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ von letzter Position los, nur um möglichst der erste Kunde an der neu geöffneten Kasse zu sein. Bei den übrigen Kunden führt solch ein Verhalten entweder zu eigenem Drängeln und Stürmen oder aber zu Unverständnis und innerem Ärger. Die einfache Logik dahinter, ist das oben beschriebene Prinzip der Wirkung unseres Handelns in der Öffentlichkeit – und, dass Gesellschaft immer die Sammlung der Individuen und ihrer Handlungen ist. Wir prägen die Gesellschaft, mit jeder Handlung, die wir im Kontakt mit anderen Menschen vollziehen.

Ihr mögt euch fragen, warum ich diesem Thema hier Aufmerksamkeit und Raum biete. Ich persönlich ärgere mich immer wieder, wenn ich eine solche Situation erlebe. Ganz gleich ob im Supermarkt wie eben beschrieben, in Bussen oder Bahnen, wenn älteren Menschen kein Sitzplatz angeboten wird, im Straßenverkehr, wo Autofahrer wie wild hupen, rasen und fahren, als hätten sie den Führerschein in der Glückslotterie gewonnen oder überall dort, wo sich (einander fremde) Menschen in verschiedensten Situationen sonst noch herablassend, ignorant oder den Gegenüber ablehnend verhalten – bspw. bei Reklamationen, kleinen Missverständnissen oder den bereits beschriebenen Situationen. Geschehnisse, die so nicht hätten geschehen müssen; die auch freundlicher hätten ausgehen können – ohne Ärger, Unverständnis und Wut. Eben das ärgert mich daran besonders. Es ginge auch anders – und das ganz leicht.

Jeder von uns muss lediglich das eigene Verhalten in verschiedensten Situationen reflektiert betrachten. Viele tun dies bereits – und das ist auch wichtig zu sagen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Doch ist der Alltag voll mit solchen kleinen Konflikten; nicht zuletzt die sozialen Netzwerke. Deutlich wird, dass es noch einiges zu tun gibt. Auch für all jene, die ihr Handeln reflektieren und sich selbst im Umgang mit anderen Menschen hinterfragen; denn hören diese Menschen auf, so ihr Handeln zu betrachten, würden positive Vorbilder fehlen.

Positive Vorbilder sind jedoch von zentraler Bedeutung. Erlebe ich selbst nur noch unfreundliche Menschen, würde meine Motivation, mich gegenüber diesen Personen dennoch freundlich zu verhalten, erheblich sinken. Spüre ich jedoch, dass meine Mitmenschen ebenfalls respektvoll mit mir umgehen, eine Nachfrage nicht als Störung, sondern als Chance zu helfen betrachten und einen kleinen Rempler als Versehen erkennen, statt ihn als böswilligen Akt zu brandmarken, ist mein Bild meiner Mitmenschen viel positiver; mein Verhalten freundlicher. Vermutlich geht es vielen anderen Menschen ähnlich – auch jenen, die selbst unfreundlich sind. So scheint es zumindest, wenn man einmal die Beteiligten und Umstehenden in kleinen, flüchtigen Konflikten betrachtet.

Eben das ist der Grund, weshalb ich diesem Thema hier Raum gebe. Wir alle ärgern uns, wenn wir unfreundliche Menschen und eben beschriebene oder ähnliche Situationen erleben. Gleichzeitig freuen wir uns, wenn wir auf eine Nachfrage eine freundliche Antwort erhalten, in der Bahn Platz für uns gemacht wird (ganz gleich ob Sitzplatz oder Raum zum Stehen) oder Kritik in fairer und respektvoller Art und Weise geübt wird. Warum sorgen wir alle dann nicht dafür, dass die Momente des Ärgers weniger werden?!

Es geht mir gar nicht darum, solche Konflikte komplett zu beseitigen – das ist nicht möglich. Wir alle sind Menschen, die mal einen schlechten Tag haben, aus irgendeinem Grund unaufmerksam sind oder in der Eile ein unfreundliches Wort verlieren. Doch nichts hält uns davon ab, zumindest dann, wenn wir in der Lage dazu sind, auf unser eigenes Verhalten Acht zu geben und freundlich und hilfsbereit zu sein. Vor allem aber sollten wir uns nicht die Frage zu stellen, wieso wir unseren Mitmenschen positiv gegenüber stehen sollen – sondern fragen, warum wir eben dies es nicht tun sollten!

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