Gleichberechtigung per Gesetz? – Die Frauenquote im Blick

Gleichberechtigung – Die Frauenquote kommt. Ab 2016 müssen bei rund 100 Großunternehmen in Deutschland mindestens 30% der Aufsichtsratsmitglieder weiblich sein. Weiteren 3 500 Unternehmen der Privatwirtschaft wird auferlegt, sich eigenständig Wege und Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen zu überlegen. Aber kann Gleichberechtigung so einfach sein?

Viel Beifall für die Quote – Kritik nur an der Höhe

Folgt man den Stimmen der PolitikerInnen, dann schon. Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nannte das Gesetz einen „historischen Schritt“. Heiko Maas, Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, äußerte sich nicht weniger euphorisch. Die Quote sei der „größte Beitrag zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts“. Selbst Teile der Opposition schwärmen von der Quote, wie bspw. Kathrin Göring-Eckert, die von einem „Meilenstein für die Gleichberechtigung“ spricht. Kritik von der Opposition, auch von Göring-Eckert, wird nur an der Höhe der Quote bzw. dem Geltungsbereich geäußert. Das Instrument „Quote“ scheint allerdings der gesamte Bundestag als sinnvoll zu erachten.

Die Quote als Lösung?

Ein seltsamer Zustand, wie ich finde. Auch ich wünsche mir mehr Frauen in Führungspositionen, mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Aber eine Quote als Lösung? Sicherlich sorgt sie zwangsläufig dazu, dass mehr Frauen in die Führungsetagen der großen Unternehmen einziehen werden, doch was verändert sie abseits davon? Der durch die Quote erhoffte Streueffekt, von welchem Ministerin Schwesig sprach, ist zumindest nicht mehr als eine vage Hoffnung.

Vage, da es naiv ist zu glauben, dass ein Stück Papier, auf dem Paragraphen aneinander gereiht sind, das Denken in Unternehmen verändert. Wer sich in, nicht von der Quote betroffenen Unternehmen bisher gegen mehr Frauen in Führungspositionen aussprach, wird es auch weiterhin tun. Der geforderte „Mentalitätswandel“ wird durch die Quote zumindest nicht gefördert.

„Mentalitätswandel“ von unten – nicht von oben

Es ist auch ein eigenartiges Vorgehen, mit Gesetzen die Denkstrukturen in männerdominierten Unternehmen aufbrechen zu wollen. Eine Taktik, die wenig Erfolg versprechen wird. Nicht nur, weil sich kaum ein Mensch sein Denken von Gesetzen vorgeben lässt, sondern auch, weil der Wandel der Mentalität von unten kommen muss, aus der Gesellschaft, von den Frauen selbst. Ziel muss es sein, allen Frauen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Nur so kann mehr Nachwuchs an potentiellen Führungskräften entstehen und ein Mentalitätswandel aus der gesellschaftlichen Masse heraus vollzogen werden. Aktuell finden oftmals nur jene Frauen den Weg an die Spitze eines Unternehmens, wenn sie auf Kinder oder andere familiäre Dinge verzichten können und wollen. Wer Kinder haben und berufliche Karriere machen möchte, hat es schwer. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in Deutschland eine Großbaustelle wie der Flughafen in Berlin oder Stuttgart 21.

So bleibt vielen Frauen, potentiellen Führungskräften, der Weg nach oben verschlossen. An vielen Stellen zwischen Top-Management und Berufseinstieg, wo Frauen abseits einer Quote in wichtigen (Führungs-)Positionen sitzen müssten, sitzen keine Frauen. Ihre Karriereleiter endet im Vorzimmer des männlichen Chefs oder auf halber Strecke in der Sachbearbeitung; und statt dagegen vorzugehen und überhaupt erst die Basis für mehr beruflich aufstrebende Frauen zu schaffen, tut die Regierung genau das Gegenteil.

Betreuungsplätze statt Betreuungsgeld

Das Betreuungsgeld bspw. wird im Jahr 2015 rund 1 Milliarde Euro kosten und hat für die Mentalität und das wirtschaftliche und gesellschaftliche Bild der Frau negativere Wirkung, als die Frauenquote positive Streueffekte haben wird. 1 Milliarde Euro, die beispielsweise in KiTa-Plätze investiert werden könnten und so tatsächlich zur beruflichen Gleichberechtigung von Mann und Frau beitragen würden. Diese Plätze sind es nämlich, die häufig fehlen; oder aber enorm teuer sind. Auch hier wären die 1 Milliarde Euro besser und im Sinne der Gleichberechtigung investiert.

Es gibt noch viele weitere Punkte, die angesprochen werden könnten. Beispielsweise die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, doch denke ich, dass die genannten Punkte ausreichen, um deutlich zu machen, worum es mir geht: Gesellschaftliche Veränderungen können nicht durch Gesetze zum Jahreswechsel vollzogen werden; erst recht nicht von oben herab. Sie müssen aus der Masse entstehen und benötigen hierfür die passenden Rahmenbedingungen. Ohne flächendeckende und kostengünstige /-freie Betreuungsangebote sowie weitere verbesserte Grundvoraussetzungen wird es niemals eine tatsächliche Gleichberechtigung aller Frauen geben.

Frauenquote als traurige Offenbarung

Die Frauenquote ist daher weder ein „Meilenstein“, noch ein „historischer Schritt“. Sie ist der Beleg dafür, dass in der deutschen Politik Gleichberechtigung nichts mit gesellschaftlichen Meinungen, gesamtwirtschaftlichen Phänomenen oder der flächendeckenden Beseitigung geschlechtsspezifischer Probleme zu tun hat, sondern an Kenn- und Prozentzahlen abgelesen wird. Anders ist nicht zu erklären, wie sich die Politik angesichts eines solchen Gesetzes, welches einige hundert Frauen in höchster berufliche Ebene betrifft und die Probleme von Millionen Frauen unbehandelt lässt, so parteiübergreifend feiern kann.

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