Deutschland und die Asyl-Debatte

Immer dann, wenn Deutschland intensiv über die Asylpolitik diskutiert, ziehen am sonnigen Himmel der weltoffenen Demokratie Deutschland mehr und mehr Wolken heran. Dunkle Wolken, in denen sich eine Mischung aus Hass, Fremdenfeindlichkeit und Populismus zu einem großen Unwetter aufbaut. Vor 22 Jahren, als in Rostock-Lichtenhagen über mehrere Tage gewalttätige Angriffe auf eine Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber verübt wurden, bei denen Asylbewerber verjagt und Teile des Gebäudes mit Molotow Cocktails angesteckt wurden, entlud sich ein solches Unwetter und zeigte den Deutschen, wie tief die Ablehnung von Fremden, von Flüchtlingen saß, wie stark der unterschwellige Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft und somit auch Teilen der Politik sowie der Medien verwurzelt war.

Deutliche Parallelen zwischen „damals“ und „heute“ in Politik…

Bis heute hat sich daran wenig verändert. Zwar brannte noch keine Unterkunft für Flüchtlinge und radikale und auch hetzerische Aussagen sind noch nicht altäglich, doch diskutiert Deutschland in den Medien, sozialen Netzwerken und der Politik über die immer gleichen Fragen und findet dabei erschreckender Weise oftmals die immer gleichen Antworten. Verändert hat sich lediglich, dass sich die heutigen Diskussionen nicht nur auf das Asylrecht allein beschränken, sondern immer wieder auch das Thema innereuropäischer Migration mit einbezogen wird. Bestes Beispiel hierfür ist die Kampagne der CSU „Wer betrügt, der fliegt“. Abzielen tut die Partei hierbei auf eine radikale Abschiebepraxis im Hinblick auf Migranten aus Bulgarien und Rumänien. Für diese gilt nicht das Asylrecht, sondern sie bewegen sich frei im Rahmen des europäischen Raumes. Gleichzeitig poltert die CSU regelmäßig ebenso über den „Asylmissbrauch“ durch Sinti und Roma aus Serbien und Mazedonien. Dass die CSU mit solch einem Kurs nicht alleine ist und auch Vertreter anderer Parteien die Ansicht teilen, dass Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als „Sichere Drittstaaten“ gelten und die Staatsbürger dieser Länder keiner Gefahr durch Verfolgung oder Unterdrückung ausgesetzt sind, zeigte sich erst kürzlich im Bundesrat, wo diese Neuregelung des Asylrechts auf Stimmen der Grünen angewiesen war. Baden-Württemberg, in Person Winfried Kretschmann, Grüner Ministerpräsident, war derjenige, der seine Stimme hergab und somit ermöglichte, dass verfolgte Sinti und Roma aus diesen Staaten zukünftig nicht einmal mehr geringe, sondern gar keine Chancen auf Asyl in Deutschland haben werden. Deutlich wird hierbei, dass sich die Thematik zwar erweitert hat, der angeschlagene Ton jedoch noch genauso klingt, wie vor gut 20 Jahren. Weitere Belege für eine solche Aussage bringt die AfD immer wieder hervor. In Wahlkampfzeiten verliert diese Partei teilweise gar alle Hemmungen in der Asyldebatte und schreckt auch davor nicht zurück, Parolen auf die Plakate zu schreiben, die in fast identischer Weise auch von der NPD und Pro NRW plakatiert werden.

…Medien…

Die Medien spielen ebenfalls eine ähnliche Rolle wie „damals“. Die meisten Medien behandeln dieses Thema weites gehend neutral, doch noch immer, wie vor rund 20 Jahren, stehen die gleichen Medienhäuser an vorderster Front des Populismus. Allen voran, es verwundert nicht, die BILD, welche mit hetzerischen Artikeln ihren Beitrag dazu leistet, dass sich fremdenfeindliche Positionen in der Gesellschaft noch tiefer verankern. Meldungen werden konstruiert, Wahrheiten präsentiert, die es in der Realität gar nicht gibt. Journalismus unterster Schublade, auf dem Rücken der Schwächsten dieser Gesellschaft. Getrieben werden diese Menschen von einer gewissen Macht, die sie im Rahmen der Meinungsbildung haben. Gleichzeitig ist das, was große Blätter wie die BILD schreiben, immer auch politisch beeinflusst. Vor allem aber lässt sich mit großen Schlagzeilen über angeblich gewalttätige Asylbewerber, vermeintlich arbeitsscheue Flüchtlinge oder ähnliche Themen viel Geld verdienen. Dies dürfte eine der größten treibenden Kräfte sein, die ein Medium dazu bringen, solche Beiträge zu verbreiten. Glücklicherweise folgt nur ein geringer Teil der Zeitungen dieser offensiven Hetze, wobei jene, die es tun, zu den meist gelesenen Blättern gehören und somit viele Menschen erreichen. Alles in allem zeigt sich, dass sich in den Medien, anders als in der Politik, nicht einmal die Namen der großen Akteure geändert haben, sondern noch immer vier große Buchstaben sowie andere (Boulevard-)Blätter an der Spitze des journalistischem Populismus stehen.

…und der Gesellschaft!

Auch ein Blick auf die Gesellschaft macht deutlich, dass sich nicht viel geändert hat. Die sozialen Netzwerke der heutigen Zeit befördern gar die öffentliche Meinungsäußerung und führen darüber zu einer Masse virtueller Brandstifter. Neben den Demonstrationen und Bürgerinitiativen stellen die sozialen Netzwerke einen zentralen Ort der Meinungsmache dar. Ob in Kommentarspalten zu Medienbeiträgen oder Parteimeldungen, auf extra angelegten „Anti-Asyl“-Seiten oder in verschiedensten Gruppen finden sich diese Personen und verbreiten dort fremdenfeindliche, hetzerische und populistische Forderungen und Parolen. Natürlich gibt es bei alledem auch viele Kommentare, die sich offen gegenüber einer freieren Asylpolitik äußern, doch stimmt es mich dennoch nachdenklich wie häufig man in der Gesellschaft, egal ob in sozialen Netzwerken oder bei Gesprächen und Diskussionen mit anderen Menschen auf Vorurteile, Ablehnung und Hass stößt. Betrachtet man diese Äußerungen im Hinblick auf die Äußerungen und gesellschaftlichen Meinungen während der letzten großen Asyldebatte, zeigt sich, dass sich tatsächlich nicht so vieles verändert hat, wie man gehofft hatte. Ressentiments gegenüber Flüchtlingen sind noch immer weit verbreitet, der Populismus in der Mitte der Gesellschaft verankert.

Vorurteile wie vor 20 Jahren

All das stimmt mich sehr nachdenklich, lässt die Angst aufkommen, dass sich die Vorfälle aus Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen wiederholen könnten. Erste Angriffe auf Asylbewerber-Unterkünfte gab es bereits in verschiedenen Teilen Deutschlands. Vor allem aber beschäftigt mich die Frage, weshalb in der Gesellschaft eine solch starke Ablehnung gegenüber Asylbewerbern, Flüchtlingen, hilfesuchenden Menschen aus Kriegsgebieten und anderweitig unsicheren Ländern, vorhanden ist.

Das Märchen des fehlendes Geldes

Wir leben in Deutschland. Einem Land, das einen großen Reichtum besitzt, unabhängig davon, ob unser Staat hoch verschuldet ist und einen rigiden Sparkurs fährt. Millionen von Euro liegen auf Konten weniger Menschen, der Staat hat in den vergangenen Jahren durch Mütterrente, Elterngeld und ähnliche Dinge viele Milliarden Euro ausgegeben. Versteht mich nicht falsch, ich will gar nicht, dass genau dieses Geld in den Bereich „Asyl“ umgelagert wird, doch zeigt es, dass Geld vorhanden ist. Die Gegenwärtigkeit von Armut und anderen sozialen Problemen sind nicht das Resultat fehlenden Geldes, sondern einer rein wirtschaftlich orientierten und am Menschen vorbei gehenden Politik der großen Parteien. Die Kritik der Menschen, man solle zuerst das „eigene Volk“ entlasten oder dessen Situation verbessern, bevor man sich um die Belange und Interessen von Flüchtlingen kümmert, ist daher unberechtigt. Die Politik wäre ohne weiteres in der Lage den Sparkurs anders auszurichten, nicht in einer Art und Weise, dass die Masse der Menschen direkt unter dessen Folgen leidet, die Wirtschaft jedoch weiterhin privilegiert wird. Auch könnte die Politik neues Geld in die Kassen spülen, wenn die Reichen, jene, mit millionenschweren Konten steuerlich stärker belastet werden würden. Darüber hinaus ist der Betrag, der jährlich für den Bereich „Asyl“ bereitgestellt und ausgegeben wird, gering, wenn man einen Blick auf den Bundeshaushalt wirft. Natürlich sind besonders die Länder und Kommunen von steigenden Kosten betroffen, doch darf in diesem Fall nicht eine Ablehnung neuer Flüchtlinge die Antwort sein. Viel mehr muss die Forderung nach mehr Unterstützung seitens des Bundes offensiv vertreten werden. Dies ist in der Landespolitik oftmals der Fall, doch kommt dies in vielen Teilen der Bevölkerung nicht an. Hier herrscht noch immer der Irrglaube, der Bund hätte durch die Kosten für Asylbewerber eine große schwere Last zu tragen. Zutreffend ist das jedoch nicht und mit oben genannten und weiteren Maßnahmen wäre es problemlos möglich, die Kosten für noch mehr Flüchtlinge zu tragen und gleichzeitig der gesamten Gesellschaft ein Leben ohne Armut und Geldnot möglich zu machen.

Die Kritik, Flüchtlinge aus finanziellen Gründen nicht aufzunehmen ist daher ein Argument ohne Grundlage. Geäußert werden sollte viel mehr eine Kritik an der aktuellen Politik, die uns Menschen gegeneinander ausspielt, finanzielle Nöte erzeugt, aus denen nationale Abgrenzungsgedanken entstehen und darüber eine fremdenfeindliche Grundhaltung verbreitet wird. Die Politik ist es, die das Geld nicht für Flüchtlinge ausgeben möchte, möglichst wenige und wenn, dann gut ausgebildete, Flüchtlinge im Land haben will. Notwendig ist all dies aber nicht. Das Geld ist da, man muss es sich nur holen bzw. es statt in Rüstung, die eigenen Diäten oder Steuererleichterungen für die Wirtschaft zu stecken, für humanitäre und soziale Bereiche bereitstellen. Dann wären die Menschen in Deutschland gut versorgt, wobei gleichzeitig noch immer genug Geld zur Verfügung steht um Asylbewerbern in größerer Zahl und besserer Art und Weise zu helfen. Leider ist es jedoch einfacher, die Schuld jenen zu suchen, die angeblich das Problem darstellen: Den Flüchtlingen. Doch ist die Welt nicht einfach, sondern genau das Gegenteil. Schuld an den Zuständen in Deutschland ist die Politik; kein Flüchtling dieser Welt trägt die Schuld daran, dass ALG II-Empfänger so wenig Geld und so viel schlechte Unterstützung erhalten, die Steuern von vielen Menschen als zu hoch angesehen werden und die Folgen der Finanzkrise auf kommunaler Ebene, durch die Schließung von sozialen und kulturellen Einrichtungen, so sehr spürbar sind. Wenn wir das begriffen haben, öffnet sich unser Blick auch dafür, dass Geld bei der Asyldebatte nun wirklich nicht das große Problem darstellt.

Kriminell, faul, undankbar?!

Andere häufig gehörte Argumente berichten von kriminellen, arbeitsscheuen und möglicherweise kranken Flüchtlingen. Allein die Art und Weise, wie solche Kritik und Bedenken geäußert werden belegt, dass es sich hierbei nicht um tatsächliche Probleme handeln kann. Keine Nation dieser Welt bringt nur und ausschließlich gefährliche, faule und erkrankte Menschen hervor. Statt solchen haltlosen Diskriminierungen zu folgen, sollte man sich besser einmal mit den Lebensumständen von Asylbewerbern in Deutschland befassen. Denn, natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen Diebe, Gewalttäter und Drogenhändler; genauso wie es diese unter „den Deutschen“ gibt. Doch ist dies, auch genauso wie bei „den Deutschen“ nichts, was sich aus der Nationalität oder Herkunft ergibt, sondern die Folge der eigenen Umstände ist. Sich mit den Verboten und Vorgaben zu befassen, die das Leben eines Asylbewerbers, einem Menschen, der nichts verbrochen hat, prägen, ist daher durchaus sinnvoll. Die deutsche Gesetzeslage im Bereich Asyl ist zumeist so ausgelegt, dass man sich überlegt hat, was alles für Dinge passieren könnten (!) und diesen dann direkt mit Verboten vorbeugt. Das heißt im Klartext jedoch, dass es eine Residenzpflicht gibt (weil Asylbewerber untertauchen könnten), Asylbewerber oftmals nicht in eigenen Wohnungen leben und auch nicht arbeiten dürfen. Zwar wurden hier nun erste Verbesserung auf den Weg gebracht, doch prägten diese Dinge die bisherigen Lebenserfahrungen der Flüchtlinge sehr.

Darüber hinaus gilt der Grundsatz, dass während der Bearbeitung des Asylantrags nicht die Integration des jeweiligen Menschen im Vordergrund steht, sondern eher Dinge wie die Sicherung der dauerhaften Zugriffsmöglichkeit im Falle einer Ablehnung des Antrags. Allein diese grundsätzliche Ausrichtung verhindert eine gelungene Integration von Flüchtlingen, egal wie lange sie hier bleiben. Es scheint, als sei ein Mensch es nur dann wert, sich willkommen und als Mensch respektiert zu fühlen, wenn er einen Asylantrag genehmigt bekommen hat. Solange dies nicht der Fall ist, ist er nicht mehr als ein Spielball der Behörden, der in seinem, oftmals vorhandenen Willen zur Integration behindert wird. Es ist völlig normal dass in solch einem Umfeld Kriminalität aufkommt. Das ist, wie gesagt, bei „uns Deutschen“ nicht anders. Dort wo Armut herrscht, ist oftmals auch eine höhere Kriminalität zu erkennen. Es liegt nicht an den Menschen, die in „unser“ Land kommen, sondern an den Lebensumständen, die sich niemand dieser Menschen so freiwillig ausgesucht hat. Auf der Suche nach Sicherheit und Schutz gelangen sie in Europa und auch Deutschland schnell in eine Täterrolle, die ihnen zugeschrieben wird, allein deshalb, weil sie Asyl beantragen. Dabei wäre genau das Gegenteil notwendig. Daher ist es frech und beschämend zu meinen, Flüchtlinge wäre undankbar oder ähnliches. Viel mehr sind sie geprägt von den Erfahrungen und den Eindrücken in unserem Land. Jene, die sich kritisch über Behörden und Antragsprozedere äußern, sind Menschen, die uns den Spiegel vorhalten, in dem wir ein Bild erkennen, welches wir so selbst nicht annehmen wollen, dies aber dringend tun sollten, damit sich langfristig etwas ändert. In der Asyldebatte ist diese Erkenntnis leider nur gering in Politik und Gesellschaft angekommen. Genauso, wie es vor rund 20 Jahren war.

Perspektivwechsel für mehr Verständnis

Um die beschriebenen Dinge noch besser zu verstehen, versetzt man sich einmal in die Lage eines Menschen, der hunderte, tausende Kilometer weit von seiner Heimat entfernt ein neues Leben, ein freies Leben ohne Angst, Armut, Leid und Gewalt sucht. Mit klarem Menschenverstand sollte man hierbei zu dem Ergebnis kommen, dass diese Menschen dies nicht aus Abenteuerlust oder Vergnügen tun, sondern aus einer Not heraus. Es gibt keinen Grund zu glauben, diese Menschen würden hier Luxus und einen Blaskapellen-Empfang erwarten und wären nur dann wirklich dankbar. Jeder Mensch der Hilfe empfängt ist dafür dankbar, egal ob er aus Europa oder Afrika stammt. So auch Asylbewerber. Doch muss man sich auch die Frage stellen, wie man selbst wohl reagieren würde, wenn man bei der Ankunft im so freien und demokratischen Europa mit Repression und Ablehnung in Empfang genommen wird. Es gibt unzählige Berichte über die Erfahrungen von Asylbewerbern in Deutschland, im Umgang mit Behörden und Problemen im alltäglichen Leben. Die aktuellen Misshandlungsvorwürfe sind dabei ein trauriger Höhepunkt. Wie würden wir reagieren, wenn wir diese ständige Willkür und Rassismus erfahren würden? Was wir jedoch selbst kennen, ist der Ärger mit Behörden, der uns manchmal selbst in die Wut und den Ärger treibt. Stelle man sich vor, diese Behörden könnten unseren Verbleib in Sicherheit jederzeit beenden, hat der Ärger, die Angst und die Wut noch eine ganz andere Qualität.

Das Problem ist ein verworrener Kreislauf, denn die Ängste der Menschen, die sich dann in fremdenfeindlichen Äußerungen zeigen, sind das Resultat einzelner Erfahrungen und Vorfällen, die durch Teile der Medien und Politik teilweise mit populistischen Parolen verstehen massenhaft verbreitet werden. Die Flüchtlinge sind daher für viele Menschen grundsätzlich eine potentielle Gefahr, man begegnet ihn mit Ablehnung, einer gewissen Vorsicht. Würde die Gesellschaft offener und kontaktfreudiger sein, sich auf die Menschen einlassen, wäre die Angst vor Gewalt und Kriminalität sowie der Zorn über Undankbarkeit schnell verflogen. Denn, dort wo „Einheimische“ mit Flüchtlingen in Kontakt treten, gibt es immer wieder positive Reaktionen von beiden Seiten. Wir selbst können daher beeinflussen, wie unsere eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen aussehen. Sind wir weniger scheu, weniger mit Vorurteilen belastet, werden wir merken, dass hinter der angeblich bösen Fassade eines Flüchtlings in den allermeisten Fällen ein netter, freundlicher Mensch befindet und von kriminellen, gewalttätigen oder diebischen Zügen keine Spur zu finden ist. Kein Mensch ist böse, weil er von irgendwo her kommt, niemand ist kriminell weil er weiß oder schwarz ist. Ein Mensch wird kriminell, gefährlich oder anderes erst dann, wenn ihn seine Umstände dazu treiben. Das erkennt man bei Teilen der Flüchtlinge genauso wie bei Teilen der Deutschen. Sie, die Flüchtlinge, sind nicht anders als wir, sie sind die gleichen Menschen, mit den gleichen Wünschen, den gleichen Träumen und den gleichen Gefühlen. Wir können wunderbar mit ihnen auskommen und sie ebenso gut mit uns. Dafür müsste man sich ihnen jedoch öffnen, statt zu meinen, es gäbe seitens der Flüchtlinge kein Interesse daran.

Abschließend möchte ich noch kurz auf etwas eingehen, was mir besonders in den sozialen Netzwerken begegnet. Immer wieder lese ich davon, dass manche Menschen tatsächlich meinen, Flüchtlingen könne es nicht schlecht gehen, weil sie ein Handy besitzen oder nicht völlig kaputte Kleidung tragen. Es ist mir unverständlich, wie solch eine Meinung entstehen kann, doch scheinen die Vertreter solcher Positionen zu glauben, in Afrika würden die Menschen zu Millionen in Buschhütten leben und per Trommel kommunizieren. Von der Realität sind solche Meinungen jedoch meilenweit entfernt. Nicht jeder Flüchtling kommt aus der größten Armut. Zahlreiche Flüchtlinge sind ausgebildet und haben in ihrer Heimat keine finanziellen Sorgen. Ihr Problem ist die Verfolgung, die Diskriminierung im eigenen Land oder ähnliche Probleme, die nichts mit Finanzen und Armut zu tun haben. All jene, die sich über ein Handy in der Tasche eines Flüchtlings echauffieren, sollten sich zu aller erst einmal damit befassen, welche Menschen als Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Denn alles, was in solchen Äußerungen vermittelt wird, ist Unwissenheit. Diese stellt bei einem solchen Thema und der Geschichte der Deutschen, nicht nur zwischen 1933 und 1945, sondern auch danach, eine große Gefahr dar, denn schnell schlägt sie in Aggressionen und Gewalt um. Gewalt, die Deutschland nur zu gut kennt und gegen die in diesem Land viel zu wenig unternommen wird.

Neue Fragen und Antworten für neue Lösungen!

Alles in allem zeigt sich, dass sich in den letzten 20 Jahren tatsächlich nicht vieles verändert hat. Zwar stehen wir noch am Beginn der großen Asyl-Debatte, doch sind viele Töne schon sehr scharf und kantig. Dies sollte uns zu denken geben, denn die vergangene Asyldebatte hatte schreckliche Züge und Töne, die Menschen in Gefahr gebracht hat und hier lebende Flüchtlinge oder ehemalige DDR-Vertragsarbeiter zur (erneuten) Flucht gezwungen haben. In einem Land, dass sich selbst als freiheitlich, demokratisch und weltoffen bezeichnet. Beschämend. Auch sollte es uns mehr als nachdenklich stimmen, dass wir nach all den tragischen und grausamen Geschehnissen in Folge nationalistischer Politik und Parolen noch immer offen für populistische Thesen und rassistische Inhalte sind. Menschen werden zu Wesen zweiter Klasse degradiert, dessen Leben keinen Wert hat. Man nimmt es in Kauf, dass diese Menschen ihr Leben verlieren, nur deshalb, weil man mit den eigenen Umständen unzufrieden ist, sich in seinem, im weltweiten Vergleich betrachtet, Luxus gefährdet sieht. Zuerst „wir“, dann lange nichts und irgendwann, wenn „wir“ alle alles haben, dann kann an die Ärmsten gedacht werden. Ein solches Denken ist unmenschlich, darüber muss man keine Sekunde diskutieren. Es ähnelt dem verworrenen Verständnis von Tieren, dass viele Menschen haben. Die Tiere in unseren Haushalten, die wir als unsere Freunde, Teile der Familie betrachten, sind uns wichtig, wir schützen sie und sichern ihr leben. Nutztiere sind hingegen nichts wert. Sie benötigen kein freies Leben, keine Würde. Ihr Leid ist uns egal, obwohl es genauso Tiere sind, wie jene in unseren Haushalten. So widersprüchlich solch ein Denken ist; es ist in Deutschland leider weit verbreitet und lässt sich auf die Asyldebatte übertragen. Genauso wie man Tiere unterscheidet, unterscheiden leider auch Menschen in unserem Land die Menschen. Nur jene Lebewesen, die uns wichtig sind, die zu „uns“ gehören, haben für uns einen Wert. Alles andere ist uns egal, wertlos, interessiert uns nicht. „So ist es eben“ ist ein Satz, den man in beiden Zusammenhängen häufig hört. Die Antwort darauf muss jedoch lauten: „So darf es aber nicht sein!“

Die Asyldebatte kann nur dann ein friedliches Ende finden, wenn sich „die Deutschen“ und die Flüchtlinge kennenlernen, die entsprechenden Teile der Politik und Medien den Populismus, die Hetze und den Hass nicht länger verbreiten und die Gesellschaft sich öffnet. Besonders letzteres, eine starke, solidarische und tolerante Zivilgesellschaft ist von zentraler Bedeutung, denn in dieser lassen sich mit Populismus und Hetze keine Stimmen fangen, kein Geld verdienen. Gleichzeitig würde es nach und nach immer größere Teile der Bevölkerung erreichen und Vorurteile abbauen. Um an diesen Punkt zu gelangen, müssen wir uns neue Fragen stellen. Fragen, die uns, unsere Gefühle betreffen, denn nur dann öffnen wir uns wirklich für das Leid der Menschen. Wie würden wir reagieren, wenn man uns dann mit Vorurteilen, Ablehnung und schlimmstenfalls Gewalt begegnet? Was würden wir uns erhoffen, von den Menschen, die sich als freiheitlich, demokratisch und hilfsbereit darstellen? Was würden wir fühlen, wenn wir flüchten müssen und die Welt macht die eigenen Grenzen dicht? Diese und weitere Fragen sind es, die man in der Asyldebatte behandeln muss, denn wenn es um Menschenleben, die Menschenrechte und ihre Verletzung geht, dürfen Diskussionen sich nicht um finanzielle Dinge drehen. In einem reichen Land wie Deutschland erst recht nicht. Doch solange weiter und weiter die gleichen Fragen diskutiert und die gleichen Antworten gegeben werden, werden sich Menschen versammeln und gegen Flüchtlinge demonstrieren, sich radikalisieren und im schlimmsten Fall mit Gewalt gegen diese Personen vorgehen. Als Folge dieser Gewalt wäre ganz Deutschland wieder einmal tief erschüttert und würde sich fragen, wie es soweit kommen konnte.

Es ist der immer gleiche Kreislauf, den wir in Deutschland nur zu gut kennen. Aus diesem auszubrechen, die Tonlage in der Asyldebatte zu ändern und sich engagiert gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit zu stellen ist unsere Aufgabe. Statt gegen Flüchtlinge zu wettern, sollte die Kritik in Richtung Bundespolitik gehen, eine Offenheit gegenüber den Asylbewerbern an den Tag gelegt werden. Noch ist die Lage nicht so extrem, wie vor 20 Jahren. Schaffen wir all das jedoch nicht, ist es nur eine Frage der Zeit bis es zu einem zweiten Rostock-Lichtenhagen kommt, rechte Horden Flüchtlinge angreifen und verjagen und die Gewalt eskaliert. Noch haben wir es in der Hand, wohin unser Boot steuert. Ändern wir den Kurs!

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2 Gedanken zu „Deutschland und die Asyl-Debatte

  1. Das stimmt leider. Wir leben bis heute in eienr Gesellschaft, die Menschen danach beurteilt, ob sie „Deutsch“ oder „Ausländer“ sind.
    Natürlich gibt es auch Menschen, die sich um eine Kursänderung bemühen, zum Beispiel in Bad Soden. Allerdings sind das dann meist Einzelpersonen. (Dazu hier ein Artikel)
    http://www.kreisblatt.de/lokales/main-taunus-kreis/Deutsch-lernen-spielen-kochen;art676,1066805

    Am Abartigsten finde ich, wie die BILD Hetze gegen „die Russen“, „die Bulgaren“ und „die Ukrainer“ macht, die angeblich immer besoffen sind, und dabei im unteren Bildfenster Werbung für Wodka aufploppt. Wer da noch an den versoffenen Russen und den anständigen Deutschen glaubt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

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  2. Ich kann dir nur vollkommen zustimmen. Die BILD ist wirklich ganz vorne dabei, wobei auch die Welt durchaus solche Tendenzen hat, was jedoch auch kein Wunder ist 😉 Danke für dein Kommentar und den Link. Solche Beispiele müssen viel mehr Menschen kennen!

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