Ein Plädoyer für die Absage!

„Mist, wieder nichts!“ Jedes mal wenn ich eine Absage aus dem Briefkasten hole oder sie in meinem E-Mail-Postfach entdecke, ärgere ich mich und bin enttäuscht, dass es keine positive Rückmeldung gab. Ein Blick in das Schreiben oder die E-Mail ist in diesem Moment meist auch nicht wirklich motivierend. Standardfloskeln und der obligatorische Schlusssatz „Für ihre berufliche Zukunft wünschen wir Ihnen viel Erfolg“ sind, besonders nach mehrfachem Lesen, nicht wirklich hoffnungsbringend und erfrischend. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. In Einzelfällen gab es sogar schon sehr freundliche und nette Absage-Schreiben, die durch persönlichen Bezug durchaus auch im Moment des ersten Lesens positive Wirkung hatten. Doch verliert der eigentliche Inhalt des Schreibens für mich mittlerweile mehr und mehr an Bedeutung. Natürlich ist ein individueller Text als negative Rückmeldung netter, doch „freue“ ich mich derzeit fast schon darüber, überhaupt eine Rückmeldung zu erhalten.

Weder Eingangsbestätigung…

Wo manch ein(e) Unternehmen / Organisation / Institution / … eine einfache „Auto-Antwort“ im Mail-System eingerichtet hat, welche dem Bewerber direkt mitteilt, dass die Bewerbung eingegangen ist und man sich nach dem Auswahlverfahren erneut melden wird, gibt es wieder andere, von denen erst einmal nichts kommt. Für mich persönlich ist diese Antwort-Mail nicht sonderlich wichtig, doch ist sie Beleg für zwei Dinge. Erstens, dass sich das Unternehmen tatsächlich für alle Bewerber interessiert, zumindest soviel, dass man sich um eine Auto-Antwort bemüht. Zweitens zeigt es aber auch, dass die E-Mail mit Anhang tatsächlich das Ziel erreicht hat. Der erste Punkt ist eher eine Sache des Respekts und der „Nettikette“. Die Frage, ob die E-Mail den Empfänger erreicht hat, kann jedoch wirklich entscheiden sei. Da sich E-Mail-Bewerbungen durchaus im Größenbereich von mehreren MB bewegen, kommt es bei größeren Dateien hin und wieder zu Empfangsproblemen, so dass eine Bewerbung den Empfänger nicht erreicht. Wichtiger als die Eingangsbestätigung ist mir jedoch die Absage.

…noch Absage

Lese ich sie, gibt mir das im ersten Moment kein positives Gefühl. Warum auch?! Eine weitere erfolglose Bewerbung für die Tonne. Im langfristig Blick ist die Absage jedoch immerhin eine Bestätigung dafür, dass sich der suchende Arbeitgeber zumindest mit meiner Bewerbung befasst hat, sie gelesen hat. Auf den ersten Blick mag diese eigene Erkenntnis nicht wichtig erscheinen, doch kann es sehr frustrierenden sein, nach dem Absenden der Bewerbung keine Reaktion mehr zu vernehmen. Während sich die ersten Bewerbungen zwar noch etwas holprig formulieren lassen, hat man jedoch noch eine sehr große Eigenmotivation. Man wünscht sich einen problemlosen Einstieg ins Berufsleben und hat die Realität des Arbeitsmarktes in manchen Branchen noch nicht selbst erlebt. Die Wartezeit ist nicht schlimm, da man davon ausgeht, eine Antwort zu bekommen. Schreibt man dann jedoch im dritten oder vierten Monat Bewerbungen, geht das Verfassen zwar leichter von der Hand, doch stellt man sich immer wieder die Frage, ob es sich lohnt, die neuen Bewerbungen abzuschicken. Von den ersten Bewerbungen hat man bis jetzt teilweise noch immer nichts gehört; und wird es vermutlich auch nicht mehr. Je öfter man diese Erfahrung macht, umso demotivierender wird es. Bei mir zeigt sich, dass gut 50% der suchenden Arbeitgeber inzwischen so verfahren und im Falle einer negativen Entscheidung keine Absage versenden. Für den Bewerber ist das, wie beschreiben, ernüchternd und demotivierend.

„Liest überhaupt jemand meine Bewerbung?“

Diese Frage mag banal erscheinen, doch wird jeder, der schon einmal länger und ohne Rückmeldungen auf Jobsuche war, ihre Wirkung kennen. Arbeit macht nämlich keinen Sinn, wenn niemand mit dem Resultat etwas anfängt. Was in der Arbeitswelt ein Faktum ist, gilt genauso auch für den Bewerbungsprozess. Die Entscheidung für oder gegen die eigene Person ist dabei egal. Wichtig ist, dass die Bewerbung gelesen wird und man darüber Kenntnis hat. Denn liest jemand die Bewerbung, lohnt es sich, sie abzuschicken. Man könnte sich ja für mich entscheiden! Hört man jedoch nichts, hat man diese Sicherheit nicht und somit die nervende Frage nach der Sinnhaftigkeit als immer wiederkehrenden Begleiter der Stellensuche an seiner Seite. Die negative Absage ist in solchen Momenten die positive Antwort: „Ja, es lohnt sich! Sie wird gelesen und dieses Mal bin vielleicht ich ‚der Richtige'“. So enttäuschend eine Absage im ersten Moment auch sein mag, so motivierend ist das imaginäre Bild vom begeistert die eigene Bewerbung lesenden Personaler. Hierfür benötigt es jedoch Gewissheit darüber, dass das selbst Verfasste gelesen wurde: Die Absage! Aus diesem Grund wünsche ich mir, dass mehr Arbeitgeber die Absage wieder in den Auswahlprozess mit aufnehmen; aus Respekt vor den Bewerbern und dem Interesse an einer positiven Außenwirkung. Es reichen auch die Standardfloskeln!

Quellenangabe Titelbild: net_efekt // folder (Beschriftung eingefügt). Lizenz-Link

 

 

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3 Gedanken zu „Ein Plädoyer für die Absage!

  1. Auf jeden Fall. Vor ca. 10 Jahren bewarb ich mich um einen Ausbildungsplatz. Damals bekam ich von nahezu jedem Unternehmen eine Absage (bis auf bei einer Bewerbung). Nun, nach dem Studium, hat sich das sehr stark geändert. Absagen sind, wie beschrieben, in 50% der Fälle nicht vorhanden…
    Richtig, Respekt ist das Wort, jedoch hast du Recht mit deinem Urteil über die Gesellschaft. Dort fehlt der Respekt ebenfalls immer mehr, leider…

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  2. Über diese neue Respektlosigkeit wundere ich mich auch immer wieder. Dafür sollte Zeit sein, schliesslich steckt ein Bewerber auch ziemlich viel Zeit in die Bewerbung. Vermutlich gibt es immer noch zu viel Auswahl für die Unternehmen…

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