Berlusconi wünscht sich rein italienischen AC Mailand

4401704522_f1d8309077_n
AC Mailand-Eigentümer Silvio Berlusconi

Da kam es wieder durch; das rassistische Denken des Silvio Berlusconi. In einem Interview mit der Tageszeitung Quotidiano Nazional äußerte sich der ehemaligen italienischen Ministerpräsident und Eigentümer des AC Mailands kritisch und besorgt über ausländische Investoren und Spieler in der italienischen Liga. Der italienische Fußball habe sich aufgrund der, in den vergangenen Jahren gestiegenen Zahl nicht-italienischer Geldgeber stark verändert, so sein Urteil. „Es sind Araber, Russen und Indonesier gekommen. Personen mit außergewöhnlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die den Markt durcheinandergebracht haben.“ Berlusconi, selbst Milliardär, dürfte hierbei jedoch weniger Probleme mit der finanziellen Konkurrenz, als viel mehr mit der Herkunft dieser Menschen haben (SpOn).

Dies wird spätestens bei seiner Aussage über ausländische Akteure deutlich. „Ich gestehe, dass ich perplex bin, wenn ich all diese Ausländer in italienischen Klubs spielen sehen. Es schmerzt, so viele italienische Mannschaften mit elf Ausländern im Kader zu sehen“, so Berlusconi. Für die Zukunft wünsche er sich für seinen AC Mailand „einen Kader nur aus jungen Italienern.“ Im Hinblick auf den sowieso immer wieder hervortretenden Rassismus und Nationalismus im italienischen Fußball sind solche Aussagen doppelt bedenklich und problematisch. Denn, was Berlusconi sagte, findet in vielen Köpfen, egal ob in den Kurven oder den Führungsetagen, Zustimmung und Unterstützung (Focus).

Rassismus in den Führungsetagen

14792247400_5193dd4826_n
Carlo Tavecchio, Präsident d. ital. Fußballverbands

Erst vor wenigen Monaten fiel der heutige italienische Fußball-Verbandspräsident Carlo Tavecchio durch rassistische Äußerungen auf. Ebenfalls bezogen auf ausländische Fußballer in der italienischen Liga äußerte er sich kritisch. „England identifiziert die Spieler, wenn sie kommen, damit nur Profis spielen. Bei uns hingegen kann ‚Opti Poba‘, der vorher Bananen gegessen hat, plötzlich Stammspieler bei Lazio werden“, so Tavecchio. Als Reaktion auf diese Aussagen sperrten ihn UEFA sowie FIFA für ein halbes Jahr für internationale Ämter innerhalb dieser Organisationen. In Italien selbst waren die Reaktionen zwar meist ebenfalls kritisch, jedoch gab es auch mal mehr, mal weniger direkten Zuspruch. Allein der Umstand, dass Tavecchio erst nach diesen Äußerungen zum Präsidenten des italienischen Fußball-Verbands gewählt wurde, macht deutlich, wie offen manche Führungsetagen des dortigen Fußballs für rassistische Ressentiments sind. Darüber hinaus machte Claudio Lotito, Eigentümer und Präsident von Lazio Rom, auch abseits der Wahl deutlich, dass er hinter Tavecchios Aussagen steht: „Tavecchio wird in einer Hetzkampagne instrumentalisiert“, so seine Einschätzung der damaligen Lage (SZ).

Rassismus auf den Rängen

Es ist daher kein Wunder, dass sich nicht nur in den obersten Ebenen, sondern ebenfalls in den Fankurven Italiens immer wieder rassistische Vorfälle finden lassen. Hierbei bedarf es nicht einmal eines konkreten Beispiels; zu berichten gibt es genug. Ob bei Lazio Rom, AS Rom, Inter MailandCFC Genua, Hellas Verona oder dem eher unbekannten Darfo Boario; diverse Vereine haben Probleme mit rechten Fans. Die Liste könnte noch weiter geführt werden. Zwar gab es vor einigen Jahren mal ein Verbot neonazistischer Symbole, welche damals oft Bestandteil der Lazio-Kurve waren, doch scheint dieses Engagement schnell verflogen zu sein. Heute zeigt sich ein eher gegenteiliges Bild. Rassistische Beleidigungen und Demütigungen sind in italienischen Stadien heute, wieder und noch immer, präsent und werden von vielen Menschen toleriert (SZ). Die aktuellen Aussagen von Berlusconi werden diese rassistischen Gesänge und Rufe fördern, den Tätern noch mehr gefühlte Sicherheit geben und somit die Problematik des Rassismus im italienischen Fußball weiter verschärfen. Verschärfen sollte sich unter diesen Bedingungen jedoch auch der Widerstand gegen eine solche Entwicklung, sonst drohen den Italienern noch schlimmere und folgenschwerere Vorfälle, als heute schon.

Bildquellen: Titelbild / Bild 1 (European People’s Party – EEP Congress in Warsaw), Bild 2 NazionaleCalcio – Nazionale: Uefa inchiesta apre un’inchiesta Tavecchio

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s