Rechtsextreme Hooligans: In den Farben getrennt, im Hass vereint!

Die Ausschreitungen am Sonntag in Köln haben bei vielen Menschen erschrecken hervorgerufen. Die Bilder von mehreren tausend Demonstranten, die gewaltbereit und Parolen schreiend durch Köln zogen, sind nicht einfach zu vergessen. Fragen und Sorgen wurden geweckt. War das erst der Anfang? Was kommt da auf uns zu? Wer sind diese „neuen Hooligans“, wie die BILD sie auf der Titelseite nannte? Wie waren solche Ausschreitungen möglich? Die Medien versuchen Antworten auf diese Fragen zu finden, holen sich Meinungen aus der Politik oder von der Polizei und berichten über die eigenen Eindrücke. Ihr Ausblick für die Zukunft ist wenig erfreulich, aber immerhin realistisch. Die Gefahr ist groß, dass sich ähnliches in anderen Städten wiederholt, wenn gleich man die Hoffnung haben darf, dass sich die Zahl der Beteiligten möglicherweise verringert, da die Attraktivität einer Folgedemonstration geringer ist als die Anwesenheit bei einer „Prämierendemo“.

Was sagen Medien und Behörden?

Anders sieht es hingegen in der Beurteilung der Personen um die Vereinigung „Hooligans gegen Salafisten“ aus. Oftmals wird berichtet, dass sich in Köln neben Hooligans auch Rechtsextreme versammelt hätten, dass die Demo von rechten Gruppen genutzt wurde, um auf einen Zug aufzuspringen. Die Süddeutsche Zeitung etwa schreibt, viele der Demonstranten hätten nichts rechts ausgesehen, eher wie Autonome mit Palästinenser-Tuch. Dass Neonazis heute auch gerne in autonomer Kleidung zeigen und sich optisch teilweise nur schwer von Linksautonomen unterscheiden lassen, scheint dort noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein.

Auch die Sicherheitsbehörden kommen zu ähnlichen Urteilen. So meint der Leiter des Verfassungsschutzes in NRW, dass sich Rechtsextreme der Demo zwar angeschlossen hätten, diese aber nicht gesteuert haben. Das Bundesinnenministerium gab bekannt, die Verbindung beider Szenen sei zu neu, als das man bereits jetzt Aussagen über die Qualität der Masse treffen könne. Im Hinblick auf den Polizeieinsatz am Sonntag zeigte sich darüber hinaus der Innenminister von NRW, Ralf Jäger, zufrieden. Die Strategie sei aufgegangen. Inwiefern darüber Einigkeit besteht ist jedoch fraglich. Der Leiter der Kölner Polizei sagte noch während des Einsatzes, man versuche aktuell die Lage unter Kontrolle zu bringen. Darüber hinaus hatte die Polizei am Ende des Tages 44 Verletzte zu beklagen. Zwar bin ich weder Polizist, noch Innenminister, doch sieht dieses Fazit für mich nicht nach einem geglückten Einsatz aus. Weiter meint Jäger, dass es sich bei der Demo nicht um eine politische Demonstration gehandelt habe. Diese Ansicht teilen auch andere Personen aus den Sicherheitsbehörden, denn bei allen verschiedenen Aussagen, sehen alle die Demonstration lediglich als Vorwand für öffentliche Gewalt und nicht vorrangig als politische Meinungsäußerung.

Hooligans und Rechtsextreme? Rechtsextreme Hooligans!

Mich erschrecken solche Aussagen, wie die oben angeführten, sehr. Nicht nur, dass ich mich frage, wie man in Anbetracht der Bilder, Videos und Berichte von diversen Ausschreitungen und Eskalationen von einem gelungenen Einsatz sprechen kann. Viel mehr beschäftigen mich die Urteile und Einschätzungen der Behörden und mancher Medien. Während die BILD nach den „neuen Hooligans“ fragt, die Sicherheitsbehörden hektisch nach neuen Erkenntnissen suchen, ist es für viele Menschen, die sich intensiver mit Fußball befassen, nichts neues, dass Hooligans sich nicht nur in der Gegenwart von Neonazis wohlfühlen können, sondern in nicht wenigen Fällen selbst welche sind. Keine Frage, es gibt in Deutschland auch eine Vielzahl an unpolitischen oder antifaschistischen Hooligans, doch neben diesen beiden Gruppen besteht eine ebenso große Gruppe Hooligans, die mehr oder weniger tief in der rechten Szene verankert und / oder aktiv sind. In Anbetracht der diversen Berichte über rechte Hooligans in Aachen, Braunschweig, Duisburg, Dortmund und weiteren Städten hätte dies eigentlich auch den Behörden nicht entgehen können. Es ist zwar richtig, dass sich diese Personen bisher oftmals nicht direkt politisch aktiv zeigten, doch würde ein genauerer Blick aufzeigen, dass trotzdem eine gewisse Verbindung in die rechte Szene besteht. Es gibt daher keine „neuen Hooligans“, die BILD wird lange suchen können. Genauso wenig sollte man davon sprechen, dass Hooligans UND Rechtsextremisten dort demonstrierten, sondern vor allem deutlich machen, dass besonders rechtsextreme Hooligans vor Ort waren. Diese kleine aber feine Unterscheidung ist von Bedeutung, da sich sonst ein falsches Bild erstellt. Spricht man von Hooligans und Rechtsextremen, vermittelt man, dass die Mehrzahl den Hooligans zuzuschreiben ist, eine geringere Zahl lediglich Rechtsextreme waren. In Wirklichkeit waren es aber Massen von Hooligans aus der rechten Szene.

Anders sind auch die Parolen und Slogans auf den Shirts nicht zu erklären. „Ausländer raus“, „Frei, Sozial, National“, „Auschwitz University“ oder der „HoGeSa“-Slogan „Unsere Fahne, unser Land, maximaler Widerstand“ weisen darauf hin, dass es sich bei den versammelten Menschen oftmals um Rechtsextreme gehandelt hat. Die Demo und ihr Motto war, da gebe ich den Behördenvertretern recht, lediglich ein Vorwand. Doch nicht allein der Vorwand für öffentlichen Hooliganismus, sondern für die Demonstration rechtsextremer Stärke. Diese Mischung aus alten Hooligans, die der rechten Szene schon seit Jahrzehnten zugewandt sind sowie aus jüngeren Hooligans, die sich in den letzten Jahren der rechten Szene anschlossen und in einigen Stadien ihren Machtbereich durch Gewalt gegen alles, was antifaschistisch und kritisch war, ausbauen konnten, trifft sich nun vereinsübergreifend auf den deutschen Straßen um unter einem scheinheiligen Motto die aktuellen Debatte über Salafismus und IS aufzugreifen und sie mit rechten Parolen, die sich dem eigentlichen Thema oftmals komplett entziehen, zu füttern. Das hierbei Gruppen zusammenarbeiten, die sich sonst hassen und gegenseitig verprügeln, ist auch wenig erstaunlich. Denn, regionaler Patriotismus hört dort auf, wo sich die Gedanken im nationalen Patriotismus kreuzen. Natürlich springen dann auch andere, weniger fußballaffine Gruppen und Personen auf den Demo-Zug auf und schließen sich aus ideologischer Übereinstimmung an. Ohne sie wäre die Demonstration jedoch ebenso rechtsextrem gewesen, wie ohne sie. Diese Personen haben der Demonstration nicht erst den rechten Charakter gegeben, sondern ihn lediglich untermauert. Bei diesem Urteil tun sich jedoch viele Behörden schwer, warum auch immer. Vielleicht ist es auch die Blindheit auf dem rechten Auge, die ich niemandem unterstellen will, welche man jedoch, zumindest bei einigen Stellen, befürchten muss.

Weitere Merkmale, an denen man deutlich festmachen kann, dass es sich bei der Demo nicht bloß, das wäre zwar schon schlimm genug, doch politisch weniger brisant, um eine massenhafte Ansammlung von gewaltbereiten Hooligans handelt, sondern in Köln der größte Aufmarsch von rechtsextremen Personen in Westdeutschland seit 1945 stattfand, sind, dass die Demo von einem Mitglied der rechten Partei „Pro NRW“ angemeldet wurde und als musikalische Unterstützung die rechtsextreme Hooligan-BandKategorie C“ auftrat. Diese Band ist in der Vergangenheit mehrfach durch rechte Texte aufgefallen und ist mit Personen bestückt, die tiefe Verbindungen in die rechte Szene haben. Die verbreiteten Redebeiträge waren teilweise wohl ebenso wenig unpolitisch wie die Musik. Hetze und Parolen aus den tiefsten Schubladen des Nationalismus waren zu hören. Auch dies haben die Behörden scheinbar nicht gesehen oder anders bewertet.

Wie konnte es dazu kommen?

Diese Frage beantwortet sich teilweise schon aus den bisher genannten Meinungen und Beurteilungen. Die Sicherheitsbehörden und die Politik haben diesen Aufmarsch scheinbar falsch eingeschätzt. Die anwesende Anzahl an Polizisten, rund 1000 Beamte, waren nicht ausreichend für das aufmarschierende Gewaltpotential. Dies zeigte sich in diversen Auseinandersetzungen, dem Beschädigen mehrerer Polizeifahrzeuge durch die Demonstranten, 44 verletzten Polizisten, dem Umstand, dass sich Kleingruppen immer wieder absetzen konnten und man am Ende mit drei Wasserwerfern versuchte, die Masse unter Kontrolle zu bekommen. Darüber hinaus schien man nicht mit einer solch extremen rechten Ausrichtung der Demonstration gerechnet zu haben. Dies ist jedoch nur ein Teil der Antwort. Zusätzlich muss man den Blick noch weiter zurück richten. Diese Masse entsteht nicht in wenigen Tagen, sondern ist das Resultat eines Prozesses der vergangenen Monate und Jahre. Wie bereits angesprochen gab es in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit rechten Hooligans in deutschen Stadien. Besonders Aachen, aber auch Braunschweig standen im Fokus der Berichterstattung. In beiden Vereinen haben die Verantwortlichen wenig effektives gegen diese Problematik getan. In Aachen schwieg der Verein so lange, bis sich die antifaschistischen Ultras aus Angst vor dauerhafter Gewalt aus dem Stadion zurück zogen. Die Braunschweiger Ultras hingegen verbot Eintracht Braunschweig gar, sich als Gruppe ins Stadion zu begeben. Auch in anderen Städten zeigte sich eine rege Aktivität unter rechten Hooligans, welche nicht selten zu Gewalt führte oder aber zumindest für eine steigenden Zahl im Hooligan-Nachwuchsbereich sorgte. Auch hier blieben Vereine und staatliche Behörden oftmals eher ruhig und schenkten dem braunen Treiben wenig Beachtung. So konnten sich mit der Zeit regionale rechte Kräfte bilden, die stark genug sind um vereint mehrere tausend Menschen auf die Straße zu bringen. Deshalb sollten sich aktuell nicht nur die Sicherheitsbehörden und die Politik, sondern auch viele Verantwortliche aus der Fußballwelt selbst hinterfragen und nach eigenen Fehlern suchen, bevor man den Finger in Richtung des Anderen ausstreckt.

Demonstrationen in Hamburg und Berlin angekündigt

Für die kommenden Wochen kann man nur hoffen, dass die Politik sowie die Sicherheitsbehörden ihre Beurteilungen nochmals einer neuen Betrachtung unterwerfen. Nur wenn sie sich einig darin sind, dass die Hooligans nicht durch rechte Einzelpersonen und Kleingruppen begleitet werden, sondern sie im Kern selbst oftmals durch und durch rechtsextreme Ideologien vertreten, kann man der Sache Herr werden. Die aktuellen Ankündigungen für neue Demonstrationen könnten hierbei hilfreich für die zuständigen Personen sein, denn sie sprechen eine eindeutige Sprache. In Hamburg will die „HoGeSa“-Truppe vor der Roten Flora auflaufen. Für „reine“ Hooligans ist dieser Ort nicht sonderlich bedeutsam. Man könnte sie dort ebenso wie bei jedem von uns vor der Haustür laufen lassen. Neonazis jedoch sehen in der Roten Flora einen der schlimmsten Orte Deutschlands, einen der rotesten Punkte der Republik. Im alternativen Viertel Hamburgs, direkt vor den Türen des bekannten linken Zentrums zu demonstrieren; das wäre sicherlich ein Höhepunkt für die rechten Hooligans. Gewalt, Verletzte, Ausschreitungen, Tränengas und Wasserwerfer wären treue Begleiter an diesem Tag. Verhindern kann man dies eben nur, wenn man das Kind beim Namen nennt, den Deckmantel der Hooligans enttarnt und den Neonazis ein Auflaufen vor der Flora verbietet. Gleiches sollte man mit dem Aufmarsch vor dem Bundestag bzw. dem Brandenburger Tor tun. Die Bilder von marschierenden Nazis in Deutschland müssen der Vergangenheit angehören und dürfen sich nicht, weil man die freie Meinungsäußerung auch jenen zugestehen will, die demokratische Wege nur dazu nutzen wollen um die Demokratie abzuschaffen, in die Gegenwart und Zukunft drängen. Erst recht nicht an einem historischen Datum wie dem 09.11! Die Meinungsfreiheit ist eines der höchsten Güter unserer Demokratie, keine Frage, doch müssen wir uns überlegen ob wir sie auch für die Feinde der Meinungsfreiheit, die gewaltbereite Masse der rechten Szene öffnen möchten. In Dresden tat man dies in der Vergangenheit oft. Das Ergebnis waren die größten Naziaufmärsche nach 1945 in Europa. Beendet wurde dieses jährliche Treffen am Ende nicht von Polizei oder anderen Stellen, sondern von engagierten BürgerInnen, die sich den Neonazis immer und immer wieder in den Weg gestellt haben. Vielleicht haben die Behörden daraus gelernt und bewerten die Situation nun neu.

Zu hoffen ist es, denn Köln muss allen Beteiligten eine Lehre sein und dazu führen, dass sich auf vielen Ebenen etwas ändert. Anders führt uns dieser Weg in ein neues dunkles, ein weiteres braunes Kapitel unserer Geschichte. Denn spürt diese Masse erst einmal, welche Freiheiten sie genießt, ist es nur noch ein kurzer Weg bis sich diese Personen in kleineren Gruppen auch anderen Orten zuwendet. Orten, wo Menschen Schutz suchen, bemüht sind, ihr Leben in der Fremde zu ordnen oder aber Orten, an denen sich kritische Menschen treffen, antifaschistische Politik gemacht wird. Denn das, was nahe zu all diese Menschen, die am Sonntag in Köln marschierten, vereinte, war nicht der Hooliganismus allein, sondern die rechte Ideologie, der Nationalismus und die Fremdenfeindlichkeit. All diese Dinge brauchen wir auf den deutschen Straßen nicht. Sie sind eine Gefahr für die Demokratie, die öffentliche Ordnung und die freiheitliche Grundordnung unserer Gesellschaft. Begreifen wir das, können wir effektiv dagegen vorgehen. Ich würde es mir wünschen, denn ändert sich nichts, bleibt man bei den aktuellen Beschreibungen und Urteilen, dann wird sich in Hamburg und Berlin das wiederholen, was am Sonntag in Köln zu sehen war: Gewalt, Gewalt, Gewalt!

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3 Gedanken zu „Rechtsextreme Hooligans: In den Farben getrennt, im Hass vereint!

  1. Hier in München gab’s mal eine kleinere Demonstration Rechtsextremer. Da wurden ca. 200 rechte Dummbratzen, die den Hitlergruß zeigend und braune Parolen gröhlend durch die Innenstadt zogen, von ca. 1.500 Polizeibeamten/innen von den ungefähr 800 Antifa-Gegendemonstranten/innen abgeschirmt. Nur mal so zum Vergleich angeführt…
    Hier gibt es übrigens einen wirklich guten Brief von gewaltfreien Hooligans – aber ich fürchte sehr, daß jene Erschrecken verbreitenden Dummbratzen der Demo in Köln viel zu hirnbefreit sind, um den Sinn und Zweck dieses Schreibens auch nur ansatzweise zu verstehen, geschweige denn, zu verinnerlichen.
    Und ich fürchte auch, daß Köln nur der Anfang dieser neuen Art der „Protest-Kultur“ gewesen ist. Das wird sich weiter ausbreiten, allein schon deshalb, weil der Deutsche Michel immer noch so sehr gerne den Kopf einzieht und wegschaut.

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    1. Jaa, der Brief ist auch wirklich gut, wobei auch dort scheinbar eine gewisse Trennung von Hools und Neonazis vorgenommen wird. Der Appell an die Hools in diesem Brief ist deswegen zwar richtig, aber teilweise wirkungslos, da das kritisierte Verhalten der Neonazis eben auch das Verhalten der Hooligans war. Beide Gruppen sind quasi eine Gruppe. Das fehlt mir dort leider auch in aller Deutlichkeit.

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