Wenn der „Herrgott“ über Normalität entscheidet…

Trotz aller Bekundungen zu Vielfalt und Toleranz, Offenheit und Modernität; immer wieder beweist die CDU, wie tief sie noch immer in alten Positionen und Meinungen fest hängt, wie sehr die Religion, das christliche Weltbild, das „C“ im Namen, den angeblichen und massenhaft propagierten Fortschritt der Partei aufhält. Sei es bei den Themen Integration und Zuwanderung oder Homosexualität und sexuelle Vielfalt, viele andere Themen könnten ergänzt werden, immer wieder zeigt sich nicht nur, dass die Parteiführung selbst noch immer Vorbehalte gegenüber „dem Fremden“, „dem Neuen“ hat, sondern auch, wie sehr homophobe, nationalistische und weltfremde Meinungen in der Partei vertreten sind. Nachdem erst vor wenigen Monaten die kleine Schwester der CDU mit nationalistischen, hetzerischen und populistischen Parolen („Wer betrügt, der fliegt“) deutlich machte, wie viel sie von Integration, Zuwanderung und Toleranz hält, tummelt sich nun in Hessen ein „alt bekannter“ Herr auf der Bühne der Intoleranz: Hans-Jürgen Irmer!

Vorhang auf!

Er ist kein Neuling auf dieser Bühne, kennt sich bestens aus damit, die „richtigen“ Worte zu finden. Ob ein Vergleich zwischen der Bürogröße der Ministeriums-Mitarbeiter und der Zimmergröße eines Asylbewerbers oder aber islamfeindliche und antiziganistische Aussagen; stets trifft Irmer genau jene Worte, die seine Intoleranz und Weltfremdheit deutlich offenbaren. So auch diesmal, als er sich in einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“ zum Thema „Aufklärung über sexuelle Vielfalt in Schulen“ äußerte: „Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt.“ Modernität? Vielfalt? Freiheit? Nein, das ist Homophobie und religiös bedingte Ignoranz höchster Güte. Irmer trägt mit dieser Äußerungen weder einen sachlichen, noch einen hilfreichen und voranbringenden Beitrag zur Diskussion bei, sondern erhebt sich mit einer solchen Aussage über die individuelle (sexuelle) Freiheit aller nicht-heterosexuellen Menschen und macht diese Personen zu einer Gruppe mit deviatem Verhalten. Das eine solche Person, mit solch veraltetem Weltbild als bildungspolitischer Sprecher der CDU fungieren kann, ist daher nicht nur eigenartig und fragwürdig, sondern gerade zu skandalös. Nun ist es an den Grünen, dem Koalitionspartner der CDU in Hessen, sich stark zu machen und dafür zu sorgen, dass ein solch ewig gestriger Mensch nicht länger eine solch bedeutungsvolle Position inne hat.

Konservative Zurückhaltung als Antwort der Partei

Denn, von der CDU kann man in diesem Kontext nicht viel erwarten. Wie bereits beschrieben, war es nicht das erste Mal, dass Irmer durch solche Äußerungen auffiel und doch scheint die CDU kein allzu großes Problem mit dem Ewiggestrigen zu haben. Nachdem Irmer im Jahr 2012 das Amt als bildungspolitischer Sprecher selbst niederlegte, da er mit der Entscheidung über die mögliche Einführung muslimischen Religionsunterrichts nicht einverstanden war, hatte in der sowieso eher konservativen, hessischen CDU scheinbar niemand ein Problem mit seiner Person, so dass er aktuell erneut das angesprochene Amt bekleidet und nah bei der Parteiführung steht. Allein dies spricht Bände und macht klar, dass die CDU nicht ein Problem mit weltfremden Einzelmeinungen hat, sondern Aussagen wie jene von Irmer durch eine breite Basis toleriert und nahezu kritik- und folgenlos akzeptiert werden. Denn, auch Kritik aus den eigenen Reihen ist nur dann wirkliche Kritik, wenn sie Folgen hat. Folgen, die bedeuten, dass ein Mann wie Irmer seinen Posten verliert, man insgesamt intensiver gegen solche Meinungen in der Partei vorgeht. Solange jedoch homophobe und andere hetzerische Äußerungen lediglich von kurzweiligen Worten begleitet und dann vergessen werden, wird die CDU niemals die Partei der Vielfalt und Toleranz werden, niemals den grauen Schleier von der weißen Weste abwaschen und eine wahre Volkspartei sein können. Denn das Volk, für das die CDU zu sprechen meint, ist nicht nur deutsch und heterosexuell, sondern unter vielem anderen auch vielfältig, bunt, homo- und bisexuell, muslimisch, jüdisch, süd- oder osteuropäischer, afrikanischer oder asiatischer Herkunft und obendrein noch völlig normal. Denn darüber, was normal ist und was nicht, bestimmt kein Herrgott, keine CDU und auch kein Herr Irmer!

 

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4 Gedanken zu „Wenn der „Herrgott“ über Normalität entscheidet…

  1. Der Herr Irmer veranschaulicht sehr deutlich, wie es um die Bildung in diesem unserem Lande mittlerweile bestellt ist… Ich lese gerade „Wider den Gehorsam“ von Arno Gruen, und in diesem Büchlein wird recht gut erklärt, wie Typen wie dieser Irmer ticken, und was eigentlich hinter diesen „markigen“, Vorbehalte und Feindschaft schürenden Sprüchen steckt…

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