Fracking – Gewinne für wenige, Gefahren für viele!

Fracking in Deutschland? Jein!

Die zuständigen Ministerien haben sich positioniert: Fracking soll es in Deutschland nicht geben! Oder doch?! Das von Wirtschaftsminister Gabriel und Umweltministerin Hendricks Anfang Juli vorgestellte Papier, welches mit der anderen Regierungspartei CDU/CSU noch nicht verhandelt wurde, gibt darauf keine eindeutige Antwort (taz, Tagesschau). Weder ein deutliches Ja, noch ein klares Nein zum Fracking ist daraus zu erkennen. Wie Umweltministerin Hendricks so etwas ermöglichen kann, wenn sie noch vorher davon spricht, dass Deutschland nicht Amerika sei und sie sich sicher sei, dass in Deutschland nicht gefrackt werden wird, verstehe wer will (Deutschlandfunk). Es sieht sehr nach einem gewollt löchrig formulierten Papier aus, welches am Ende wieder nur wenigen, am wenigsten jedoch der Natur nutzt.

Denn, geht es nach Wirtschafts- und Umweltministerium bleibt das konventionelle Fracking weiterhin zulässig. Lediglich eine Anhebung der Umweltstandards soll vorgenommen werden (taz, Tagesschau). Viel entscheidender ist allerdings die Position zum unkonventionelle Fracking, da bei dieser Methode ein vielfaches an Chemikalien in den Boden befördert wird und es zu häufigeren Erschütterungen der Gesteinsschichten kommt. Es ist eben jene Methode, gegen die sich in Deutschland seit längerer Zeit viel Protest formiert. Kein Wunder also, dass man die nun ausgearbeitete Idee als „Verbot“ verkaufen möchte. Doch ist dies der Moment, in dem die Löcher in den Käse kommen. Gabriel und Hendricks wollen trotz der im Vorfeld immer wieder geäußerten Bedenken sowie des „Verbots“ die Möglichkeit schaffen, unter Einhaltung von gewissen Vorschriften, so darf keine Chemikalie grundwassergefährdend sein, Frackings für  wissenschaftliche Zwecke bzw. Forschungsvorhaben dennoch zu ermöglichen. All diese Vorschriften sowie das Verbot sollen im Jahr 2021 überprüft werden um festzustellen ob es noch zeitgemäß ist (taz, Tagesschau).

Von Schlupflöchern für die Energiewirtschaft und alt bekannter Rhetorik

Es gleicht daher einem Wink mit dem Zaunpfahl an die mächtige Energielobby, welche durch die Verbotsausnahmen sowie die Neuprüfung nicht das erste Mal die Chance bekommt Studien zu finanzieren und durchzuführen. Zu welchem Ergebnis solche Studien meist führen, dürfte bekannt sein. Natürlich nur zu jenen, die positives Licht auf die eigenen Ziele werfen. Für die PolitikerInnen ist ein solches Papier ebenfalls eine ganz feine Sache. Die geplante festgeschriebene Prüfung des Gesetzes ermöglicht es den zuständigen Ministern wunderbar ein solches Gesetz in der „Neubetrachtung“ als unnötig, wirtschaftlich hemmend oder in anderer Art negativ wirkend zu kategorisieren sowie Fracking aufgrund der „seriösen“ Studien und Ergebnissen der Energiewirtschaft als sicher zu bezeichnen. Als Konsequenz daraus wäre das Gesetz daher abzuschaffen oder aufzuweichen. Das Tolle für die Regierung daran ist, dass sie damit nicht einmal wortbrüchig werden, weil es ja eine festgeschriebene Prüfung des Gesetzes war. Dann gilt es nur noch die Masse der Menschen zu überzeugen, dass Fracking in unkonventioneller Weise für jeden einzelnen Menschen wichtig ist. Locken wird man uns, wie es bereits getan wird, mit den positiven Eigenschaften des Frackings, welche teilweise am Beispiel der USA deutlich gemacht werden. Hierzu zählen günstigere Gaspreise, wirtschaftlicher Aufschwung, Arbeitsplätze und eine höhere Gas-Souveränität Deutschlands und Europas. Die negativen Folgen werden verschwiegen. Politiker sowie Lobbyisten können dann mit ihren Sektgläsern anstoßen und sich in ihrer Position sicher fühlen. Ein Szenario, welches ich mir nicht wünsche, doch zeigt uns die Geschichte der politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen immer wieder, dass Einzelpersonen oder ganze Regierungen wie durch des Geistes Hand eine Politik betreiben, die sich an den Zielen und Wünschen einer Lobby orientiert und die betreffenden Personen weiterhin in ihrer sonnigen Position verweilen können. Darüber hinaus wird das Thema Fracking inzwischen schon in einer Art und Weise instrumentalisiert, die mehr als verwerflich ist. Seit dem die Welt sich wieder in zwei Bereiche, Ost und West unterteilen lässt, wirkt es, als sei das Loslösen vom „Feind“ Russland neuste Staatsräson. In diesem Kontext bietet sich das Fracking als Mittel zur „Befreiung“ vom russischen Gas bestens an. Fracking als politische Chance. Die Medien berichten bereits über solche Äußerungen (F.A.Z.DWNThe Huffington Post) oder verbreiten sie quasi selbst (Die Welt). Selbst US-Präsident Obama äußerte sich dazu und sprang auf den Zug der Kalten-Kriegs-Rhetorik auf. Dem Ganzen setzte NATO-Generalsekretär Rasmussen kürzlich noch die Krone auf. Russland steuere und unterstütze die europäische Anti-Fracking-Bewegung, so sein Urteil (DWN). Sprachlicher Kalter Krieg aller erster Sahne, aber viel zu gefährlich, wenn es um eine Methode wie das Fracking geht. Für die Wirtschaft sind die aktuellen Fracking-Planungen der beiden SPD-Minister sowie die allgemeinen Winde des politischen Umfeld also gar nicht so schlecht. Für die Natur und die Masse der Menschen sieht es jedoch anders aus.

Die Gefahren des Frackings

In den USA, wo Fracking seit ca. 15 Jahren höchst intensiv betrieben wird, kann man nicht nur die beschriebenen positiven Effekte für die Wirtschaft erkennen, sondern auch negative Auswirkungen des Frackings, welche die wirtschaftlichen Nutzen, bei einer nicht rein kommerziellen Betrachtung der Situation, zunichte machen und in Deutschland gern verschwiegen werden. Es gibt unzählige Artikel und Berichte über verschiedenste Folgen des Frackings. Auch der Film „Gasland“ (WikipediaYouTube) vom Filmemacher Josh Fox zeigt sehr deutlich und ohne Umwege welche Probleme das Fracking in vielen Teilen der USA mit sich brachte. Verschmutztes Grundwassergesundheitliche Probleme wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, fehlende Vorschriften, ausströmendes Methan an der Erdoberflächeverunreinigte Luft und erhöhte Erdbebengefahr sind nur eine Auswahl der Probleme, mit denen viele US-BürgerInnen im Umfeld von Frackinggebieten konfrontiert sind. In Großbritannien wurden Fracking-Arbeiten gestoppt, da es in direkter Folge auf das Fracking zu zwei Erdbeben kam. Sicher ist Fracking also keinesfalls.

Zwar sind die Regelungen in den USA hinsichtlich des Frackings nur sehr gering und die Hürden wesentlich niedriger als sie in Deutschland werden sollen, doch schützen diese Verbote in erster Linie vor einer Verschmutzung von Trinkwasser und Naturschutzgebieten, nicht aber einer grundsätzlichen Verunreinigung von Grundwasser, landwirtschaftlichen Flächen, der Luft oder aber vor der Erdbebengefahr. Vor diesen Dingen kann man sich nicht schützen, wenn man Fracking betreibt. Zum Beispiel die Klassifizierung „nicht grundwasserschädlich“, welche als Voraussetzung für eingesetzte Chemikalien angepeilt wird, wird aufgrund von Tests und Versuchen vergeben, nicht aber nach einer langfristigen Erprobung unter realistischen Bedingungen. Diese Forschungen will man nun betreiben, doch nicht in wirklichen Testverfahren unter realistischen Bedingungen, sondern direkt in freier Natur. Es ist eine unlogische Logik, wenn man als Testort jene Punkte auswählt, die man eigentlich „schützen“ will. Ist die Chemie erst einmal in den Tiefen des Bodens, wird sie dort bleiben, egal was passiert und ohne Chance den „Test“ zu beenden, denn der Test ist die Realität. Man kann diese Gedankengänge nicht verstehen, so gern man auch will. Doch ist die Fahnenstange der Gefahren und Risiken noch nicht erreicht. Nach dem eigentlichen Fracking geht es direkt weiter mit Gefahren und Problemstellungen. Vom eingepumpten Gemisch wird eine Hälfte wieder abgepumpt, muss also befördert und entsorgt werden, doch redet man nicht darüber wie und wo dies geschehen soll. Die andere Hälfte des Gemischs lagert in den Tiefen unserer Lebensgrundlage, dem Boden. Allein dieser Umstand sollte uns Sorge bereiten, denn niemand kann sicher wissen, welche Probleme auf uns zukommen können, wenn wir Chemiegemische in tausenden Metern Tiefe zurücklassen. Schlimmstenfalls führt es zu großen Verunreinigungen im Boden, dem Wasser und / oder der Luft, was sich alles jeweils auf eigene Art und Weise auf unsere Nahrungsmittelproduktion auswirkt.

Alles in allem erweisst sich Fracking als eine sehr riskante Methode um an Bodenschätze zu gelangen. Für die Wirtschaft ist es ein lohnenswertes Geschäft und möglicherweise würde es auch zu sinkenden Gaspreisen in Deutschland führen, doch riskieren wir damit noch stärker als bisher die bereits jetzt schon stark beanspruchte Natur, die unser aller Lebensgrundlage ist. Das Papier von Minister Gabriel und Ministerin Hendricks schützt die Natur und uns Menschen nicht ausreichend, da es die Möglichkeit bietet, Fracking, wenn auch unter der Einhaltung von Vorschriften, zu betreiben. Dies bedeutet im Klartext, dass die Erkundungen von frackingfähigen Bereichen Deutschlands weitergehen werden, Probefracking betrieben wird und somit bereits in wenigen Jahren Teile unserer Republik unterirdisch mit Chemiecocktails vollgepumpt sind.

Einbringen, mitreden, unterschreiben!

Man kann nur hoffen dass die PolitikerInnen auf die Petitionen, die Protestgruppen und die kritischen Äußerungen zum Thema Fracking reagieren, sich bewusst machen, wie gefährlich Fracking ist und dass sie im Auftrag der BürgerInnen arbeiten, nicht aber der Wirtschaft verpflichtet sind. Besonders in diesem Kontext muss auch auf TTIP und CETA verwiesen werden. Dies sind geplante Abkommen, die us-amerikanischen und kanadischen Firmen die Möglichkeit einräumen sollen, den deutschen Staat auf Schadensersatzzahlungen zu verklagen, sofern die Gesetzeslage zu Gewinneinbußen führt. Wirklich schützen würde uns also nur eine Ablehnung dieser Abkommen in Kombination mit einem vollständigen Fracking-Verbot. Je höher der Druck ist, um so eher kommt Klarheit in die politischen Köpfe, weshalb es wichtig ist, sich in irgendeiner Art und Weise einzubringen. Die Natur braucht unseren Schutz, denn sie kann sich selbst nicht retten. Wie man sich einbringt, ist egal. Ob mit Demos, Vorträgen, Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Gesprächen, Texten, Petitionen oder was auch immer: Wichtig ist, dass wir nicht schweigen, denn dann werden sie machen, was sie wollen!

Hier gehts zur „Fracking stoppen“-Petition vom Campact e.V.. Auch gegen TTIP und CETA gibt es Petitionen, welche ebenfalls unterstützenswert sind.

Hier findet ihr eine Übersicht der Bürgerinitativen, die sich gegen Fracking richten und darüber hinaus ausführliche Informationen bereit gestellt haben.

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